Lampferding – Die Befürchtungen vieler Lampferdinger haben sich bewahrheitet: Ihre Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt kann aus Geldmangel keiner Gesamtrenovierung unterzogen werden, jetzt nicht und auch in naher Zukunft nicht. Diese Schocknachricht traf Anfang des Jahres aus der Erzbischöflichen Finanzkammer in München ein. Um das Gotteshaus nicht noch unwürdiger in eine ungewisse Zukunft zu führen, müssen die Lampferdinger jetzt selber handeln und zahlen. Die ersten Schritte für eine schnelle Verbesserung der Situation wurden schon eingeleitet.
Schäden sind
deutlich erkennbar
Dass der Innenraum der Marienkirche dringend eine Erneuerung braucht, ist für jeden Besucher offensichtlich. So entschieden sich im Herbst vergangenen Jahres Pfarrer Richard Basta, der Verwaltungsleiter des Pfarrverbandes Siegfried Franke und die Kirchenverwaltung Lampferding um Kirchenpfleger Josef Bichler, eine umfassende Innenrenovierung beim Ordinariat, der Gemeindeverwaltung und beim Landratsamt zu beantragen. Bereits Mitte Januar kam dann der negative Bescheid aus München. Laut dem Schreiben wurde die erforderliche Punktzahl für eine Genehmigung mit weitgehender finanzieller Unterstützung von 3,5 Punkten nicht erreicht.
Bei einem Ortstermin schlug kurz darauf der Fachreferent für kirchliche Kunstpflege, Dr. Hans Rohrmann, eine Herangehensweise vor, bei der der Lampferdinger Kirchenraum nicht in einer Gesamtmaßnahme, sondern Schritt für Schritt renoviert werden könnte, je nach den finanziellen Möglichkeiten der Kirchenverwaltung. Mit Zuschüssen seitens des Ordinariats ist laut Rohrmann nur in geringem Umfang und nur bei ausgewählten Maßnahmen zu rechnen. Zu beginnen wäre laut des Fachmannes mit Sicherheitskontrollen der elektrischen Anlage und der schadhaften Bauteile am Kirchengewölbe, denn die Sicherheit der Gottesdienstbesucher steht an erster Stelle. Anschließend könnten die Feuchteschäden an den Innenwänden analysiert und repariert werden und die Teile der verfaulten Kirchenbänke ausgebessert werden. Hierzu ist immer eine fachliche Anleitung von zugelassenen Handwerkern vonnöten. Diese müssten auch immer erst um eine Genehmigung der jeweiligen Baumaßnahmen beim Kunstreferat anfragen.
Da ein Mauerteil der Pfarrkirche besonders von Farb- und Putzschäden betroffen ist, kam bei der Unterredung auch die Frage nach einer dauerhaften Problemlösung an dieser Stelle auf. „Um langfristig eine Durchfeuchtung der besonders betroffenen Mauerteile an der südwestlichen Ecke der Pfarrkirche zu verhindern, wäre eine Abdichtungsmaßnahme auch außen durchzuführen“, so Dr. Rohrmann beim Ortstermin. Außerdem sei eine richtige Belüftung des Kircheninneren wichtig, sodass die feuchte Luft an heißen Tagen nicht an den kalten Innenwänden der Kirche kondensieren kann.
Einer der ersten Schritte ist in der vergangenen Woche bereits angelaufen. Der Restaurator Peter Siebert aus Stephanskirchen untersuchte die gesamte Innenseite des Kirchengewölbes auf Hohlstellen und Risse unter und im Putz. Er fuhr dazu mit einer Teleskop-Arbeitsbühne jeden Bereich, der im Jahr 1803 vom Tiroler Maler Karl Selb ausgemalten Decke, im Chorraum und im Langhaus an und klopfte auf den Putz. Am Ton erkennt Siebert, ob es darunter hohl ist und ob die Gefahr besteht, dass dieses Putzteil sich von der Decke lösen könnte. Der erfahrene Restaurator dokumentierte all seine Erkenntnisse mit einer Digitalkamera und einem Tablet-Computer. Darauf trug er alle Hohlstellen und Risse verschiedenfarbig ein, sodass ein Gesamtbild der Schäden an der Kirchendecke entstand. Die kritischen Bereiche mit Handlungsbedarf stellte Siebert rot dar. Von diesen gibt es aber wenige in der Lampferdinger Pfarrkirche. „Die Chorwand hat sich einmal relativ stark gesenkt. Hier entstanden Risse besonders an den Fenstern, die die Spannung abgebaut haben, jetzt dürfte sich hier nur noch wenig bewegen“, erklärte Peter Siebert.
Fresken sind
vom Pilz befallen
Bei seiner Arbeit am Gewölbe, das mit Marienbildern und Engelsdarstellungen komplett bemalt ist, machte der staatlich geprüfte Restaurator aus Stephanskirchen aber auch eine etwas unerwartete Entdeckung: Pilzbefall auf den Fresken. „Auffällig sind dabei die kleinen schwarzen Flecken, das ist der inaktive Pilz und bei den weißen Punkten handelt es sich um einen aktiven Befall. Der Pilz baut Stück für Stück die Farbe ab. Er hat sich an feuchten Stellen am Gewölbe gebildet und ernährt sich von den Proteinen in der Farbe. Mit einer starken Alkohol-Lösung könnte man den Pilz behandeln und somit entfernen“, zeigte sich Siebert zuversichtlich.
Eine „Sofortmaßnahme aus Sicherheitsgründen“ soll der Spezialist aber gleich durchführen. Es handelt sich um die Stelle über dem linken Seitenaltar. Hier fielen vor einigen Jahren schon kleine Putzteile heraus. Jetzt muss die Fläche gesichert, die fehlenden Teile müssen ergänzt und zum Schluss die neuen Teile farbgleich angepasst werden. Peter Siebert wundert es nicht, dass an dieser Stelle Putzteile fehlen: „Es ist keine Seltenheit, dass bei Parallelrissen, also zwei Risse in der Decke in gleicher Richtung und in geringem Abstand, Teile abfallen. Diese Schadstelle ist aber mit einem Spezialmörtel, der hinter die losen Teile gespritzt werden kann, reparierbar.“