Bruckmühl – Es ist eine jährliche Gewohnheit und dennoch immer außergewöhnlich und bewundernswert: Wann immer Kunstrad-Aktive des „RKB Solidarität“ Bruckmühl bei einer nationalen oder internationalen Meisterschaft antreten, landen sie auf dem Stockerl und es gibt einen glanzvollen Empfang. Dieses Mal stand die 17-jährige Lisa Lechner im Mittelpunkt der Ehrung. Die Bruckmühler Gymnasiastin hat in Höchst im österreichischen Vorarlberg den Junioren-Europameistertitel im Einer-Kunstradsport U19 errungen.
Zusammen mit ihrem Bruder Benny hatte sie 2025 bereits den Zweier-Titel geholt. Dieses Jahr startete sie im Einer-Wettbewerb und bezwang ihre ärgste Widersacherin (und gleichzeitig Freundin) Louisa-Sophie Salner vom RV Adler Soden, die vor ihr ein glänzendes Programm auf die Fläche gezaubert hatte.
Doch Lisa Lechner bewies enorme Nervenstärke und stellte mit 171,41 herausgefahrenen Punkten sogar eine neue persönliche Bestleistung auf. Dritte wurde Lara Odermatt aus der Schweiz.
Vor der Kulturmühle entstieg die frischgebackene Europameisterin dem offenen Cabrio von Davide Resera („Non solo Pizza“) und wurde mit herzlichem Beifall begrüßt und beglückwünscht. Zu den Gästen des Empfangs zählten unter anderem die Marktgemeinderäte Christian Kastl (auch Sport- und Jugendreferent) und Georg Ziegltrum, die „Soli“-Cracks Ramona Dandl und Benny Lechner sowie zahlreiche weitere Vereinsmitglieder und Freunde.
Eine emotionale
Laudatio für Lisa Lechner
„Soli“-Vorsitzende Doris Niedermaier bedankte sich bei der Marktgemeinde: „Ohne ihre Unterstützung bei den Hallenzeiten wären solche sportlichen Höchstleistungen nicht möglich.“
Die amtierende Einer-Kunstrad-Elite-Weltmeisterin Jana Pfann, die Lisa Lechner seit 2017 mit Unterstützung von deren Mutter Regina trainiert, berichtete in ihrer emotionalen Laudatio unter anderem vom jahrelangen gemeinsamen Leben in Sporthallen, vom Durchleiden von Wettkämpfen und von Diskussionen, weil Lisa Lechner spontan beschlossen habe, trotzig zu sein und mit dem Kunstradfahren aufzuhören. „Mittlerweile bin ich manchmal einfach nur noch so etwas wie die nervige große Schwester, an der man seine schlechte Laune auslassen kann“, merkte sie augenzwinkernd an und fügte hinzu: „Aber da muss man als ,Familienmitglied‘ durch. Dafür bekommt man auch großes Vertrauen entgegengebracht, darf Trösterin und Bezugsperson sein.“
Pfann berichtete ferner von einem Rückschlag bei der deutschen Meisterschaft und von Lisa Lechners Krokodilstränen vor der Europameisterschafts-Entscheidung und stellte fest: „Hinter all diesen Erfolgen steckt eben kein Roboter, keine perfekte Maschine. Sondern ein Mensch mit Zweifeln, Emotionen, Chaos und manchmal komplett irrationalen Gedanken fünf Minuten vor dem Wettkampf. Hinter diesem Titel stecken Jahre voller Training, frühe Morgen, Tränen, Verletzungen, Zweifel, Diskussionen und ganz oft auch die Frage: Warum machen wir das hier eigentlich freiwillig?“
In einer abschließenden Quizrunde fragte Jana Pfann bei der Geehrten unter anderem nach, „was sie der kleinen Lisa von 2017 heute sagen könnte“. Lechners Antwort lautete: „Immer gut gelaunt bleiben.“
Glückwünsche der
Marktgemeinde
Die Glückwünsche der Marktgemeinde zum großen Erfolg überbrachte Zweite Bürgermeisterin Anna Wallner: „Man braucht dazu nicht nur großes Talent, sondern auch sehr viel Training, die Unterstützung durch die Trainerin und die Familie und das Quäntchen Glück, dass alles so läuft. Unsere Gemeinde ist stolz auf dich.“
Für den „RKB Solidarität“ gratulierte Doris Niedermaier: „Lisa, Du warst Spitze.“ Außerdem dankte die „Soli“-Chefin Jana Pfann und Regina Lechner für ihr Engagement und verlas eine Glückwunsch-Mail des U19-Bundestrainers Florian Blab. Darin hieß es: „Du hast bei der EM ein weiteres Mal deine Klasse als Kunstradsportlerin bewiesen. Mit deinem EM-Titel hast du deine Fähigkeiten erfolgreich unter Beweis gestellt und hast dir ein Fundament für die kommenden Jahre geschaffen.“
Lisa Lechner bedankte sich unter anderem bei Jana und Nicole Pfann, Doris Niedermaier und bei Physiotherapeutin Ulrike Helwig.
Anschließend verfolgten die Besucher mucksmäuschenstill die Videoaufzeichnung der fünfminütigen atemberaubenden Fahrt zum EM-Titel zur Musik von „You already know“ und spendeten frenetischen Applaus. Zum Abschluss der heiteren Feierstunde freuten sich die Gäste über einen Umtrunk und über die von Hermine Obermeyer („Marktküche“) gespendete Verpflegung.