Es war schon immer so: Je höher die Schule, desto besser bezahlt werden die Lehrer. Schon beim Einstiegsgehalt geht die Gehaltsschere zwischen Grundschule und Gymnasium um eine ganze Besoldungsstufe auseinander – macht brutto fast 600 Euro. Das muss aber nicht in Stein gemeißelt sein.
Ja, Gymnasiallehrer durchlaufen eine längere und fachlich anspruchsvollere Ausbildung. Ja, sie sind wissenschaftlich ausgebildete Spezialisten in ihren Fächern, die einen großen Korrekturaufwand zu bewältigen haben. Doch auch an den Grund- und Mittelschulen ist die Leistungspalette immer umfangreicher und anspruchsvoller geworden. Im Gehalt spiegelt sich das bislang nicht wider.
Deren Lehrer mutieren im Klassenzimmer zu Tausendsassas: Sie leisten die Hauptarbeit bei der sprachlichen und kulturellen Integration von Schülern mit Migrationshintergrund. Gleiches gilt für die Inklusion von Schulkindern mit Behinderungen in den regulären Schulbetrieb. Denn nur wenige Kinder aus diesen Gruppen schaffen es auf die Realschule oder das Gymnasium. Und meist nur dann, wenn zuvor andernorts – sprich: an Grund- oder Mittelschule – das Fundament dafür gelegt wurde. Und ganz nebenbei sind die Lehrer dort Psychologen, Elternersatz, Seelentröster, Lebensberater. Unterrichten und Korrigieren gehören auch noch irgendwie dazu. Ganz zu schweigen von dem enormen zeitlichen Aufwand, der mit ausführlichen Schülerbeurteilungen und der Elternberatung verbunden ist.
Dieser Leistungsanspruch wird offenbar zu wenig honoriert, auch wenn man sich im Ministerium energisch gegen diese Erkenntnis wehrt. Das zeigt sich schon daran, dass längst nicht so viele Grund- und Mittelschullehramt studieren, wie es das Kultusministerium gerne hätte – das Personal ist knapp. Und daran, dass vor allem die karriereorientierteren Männer den Weg an die Grundschulen scheuen. Um mehr Lehrer dorthin zu bringen, wo sie momentan am dringendsten gebraucht werden, ist Geld nicht der einzige Anreiz. Aber ein wichtiger.