PETERSHAUSEN

Frauen getötet: Verdächtiger gefasst

von Redaktion

Petershausen – Thomas M. (Name geändert) galt in seiner Nachbarschaft als „ruhige Erscheinung“, „unauffällig“ und „in sich gekehrt“. Jahrelang arbeitete er als Meteorologe; laut seiner Internetseite lieferte er Wettergutachten für Funk, Fernsehen und Fotografen. Doch irgendwann muss das Leben M.’s aus den Fugen geraten sein. Er wurde psychisch krank.

Um seine Depression zu besiegen, besuchte er schließlich seit Längerem die sozialpsychiatrische Tagesstätte der Dachauer Caritas. Handwerkliche Projekte sollten seinem Tag Struktur und ihm ein sicheres soziales Umfeld verschaffen. Teil dieses Umfelds waren wohl auch zwei 40-jährige Dachauerinnen. Die beiden Frauen, miteinander nicht verwandt und auch in keiner sexuellen Beziehung zueinander, wurden am Samstag letztmals lebend gesehen.

Die Mutter einer der beiden Frauen meldete ihre Tochter daher am Montag als vermisst. Die Wohnung von Thomas M. kam dabei laut Polizei „als mögliche Kontaktadresse“ infrage. Beim Öffnen der Wohnung machten die Beamten am Montagnachmittag dann die grausige Entdeckung: Die beiden Dachauerinnen waren tot, sie wurden offensichtlich ermordet. Laut Peter Grießer, Sprecher am Polizeipräsidium Oberbayern Nord in Ingolstadt, ergab die Obduktion der Leichen „unter anderem eine Gewalteinwirkung gegen den Hals“. Der Verdächtige, der noch am Montag in seiner Wohnung festgenommen worden war, schweigt bislang zu den Tatvorwürfen.

Genauere Informationen zum Tatablauf kann und will Grießer aus ermittlungstaktischen Gründen daher nicht sagen. Fest stehe nur, dass der Fundort der Frauen auch der Tatort war. Und: Die beiden Dachauerinnen starben wohl am Samstag oder Sonntag. Eine Mitarbeiterin der Caritas-Tagesstätte, die M. besuchte, gibt zu: „Manchmal war er mir ein bisschen unheimlich.“ Einen Mord aber habe dem Mann keiner der Kollegen zugetraut: „Oft war schon eine Stunde Arbeit zu viel für ihn!“

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt nun wegen zweifachen Mordes gegen den früheren Meteorologen. Die Spurensicherung war noch bis gestern Nachmittag vor Ort in der kleinen Wohnung in Petershausen.

Das Mehrfamilienhaus gehört zwar der Kongregation der Franziskanerinnen von Schönbrunn, die im Kreis Dachau zahlreiche Einrichtungen und Wohngruppen für Behinderte betreibt; laut einer Sprecherin waren die Wohnungen in dem Wohnhaus aber nicht von Patienten belegt, sondern „normal vermietet“. Polizeisprecher Grießer zufolge hinterlassen die beiden Dachauerinnen Familien, aber keine Kinder. Ob Thomas M. nun in Untersuchungshaft genommen oder in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest.  gm/mas/zip

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