München – Mit einer Achterbahnfahrt vergleicht Martin Grambow vom Bayerischen Umweltministerium die aktuelle Klimalage in Bayern. „Wir sind gerade eingestiegen, die Fahrt geht steil nach oben. Und wir würden gut daran tun, einen Gurt anzulegen.“ Die Achterbahn ist der Klimawandel, der sich in Bayern besonders durch Wetterextreme wie Sturzfluten und nasse Winter auf der einen sowie anhaltende Hitze und Trockenheit im Sommer auf der anderen Seite bemerkbar macht. Und der schützende Gurt, das sind die Maßnahmen, die dagegen ergriffen werden können. Und da gibt es einige.
Über die Herausforderungen für Land- und Wasserwirtschaft durch den Klimawandel diskutierten Wissenschaftler, Vertreter der Behörden und der Branchenverbände gestern bei einem Symposium in München. Der Grundtenor der vom Umwelt- und Landwirtschaftsministerium ausgerichteten Veranstaltung: Es tut sich was draußen auf dem Land. „Und wir müssen reagieren, solange wir noch reagieren können“, fordert Grambow.
Ein großes Problem ist die Bodenerosion. Die Klimamodelle der Wissenschaftler zeigen: starke Regenfälle werden den Freistaat künftig wohl öfter heimsuchen. „Der Boden, den dieser Regen wegspült, fehlt uns am Land, und er ruiniert unsere Gewässersysteme“, sagt Grambow. In den Sommermonaten werde der Bodenabtrag bis 2050 doppelt so hoch sein wie bisher, sagt Karl Auerswald von der TU München.
Kulturen wie der vielverbreitete Mais, aber auch Soja und Hopfen fördern die Bodenerosion. Forscher beschäftigen sich deshalb schon seit Längerem mit der Frage, wie die in Bayern angebauten Kulturpflanzen klimasicher und bodenschonender gemacht werden können. Etwa, indem bestimmte Maissorten gezüchtet werden, die nicht nur die Hitze im Sommer besser aushalten, sondern auch schon früher gepflanzt werden können – damit der Ackerboden nicht so lange ohne Wurzelwerk auskommen muss, das ihn vor dem Wegspülen schützt. Auch bei der Gerste fanden die Forscher heraus, dass Sorten mit höherem Vitamin-E-Gehalt die Hitze besser vertragen.
„Wir müssen unsere Flur klimafest machen“, sagt auch Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Dazu könne die Forschung ihren Teil beitragen. Die Erkenntnisse müssten aber auch schnell in die Praxis übertragen werden. Hierfür soll künftig die neue Zweigstelle der Landesanstalt für Landwirtschaft im niederbayerischen Ruhstorf sorgen. Trotz aller nötigen Vorsorge müsse aber auch ein Versicherungsschutz gewährleistet sein. Denn ständige Katastrophenhilfen wie zuletzt nach den Frostschäden vom vergangenen Jahr seien der Gesellschaft auf Dauer nicht vermittelbar.
Umweltministerin Ulrike Scharf betont auch, dass Bayern endlich messbare Erfolge bei der Nitrat-Belastung des Trinkwassers brauche. „Ein Vertragsverletzungsverfahren der EU wäre eine bittere Niederlage.“ Für den Schutz vor Sturzfluten habe man viel Geld in die Hand genommen. 3,4 Milliarden Euro fließen in das Hochwasserschutz-Programm „2020plus“, mit dem vor allem kleinere Kommunen fit für künftige Wetterkapriolen gemacht werden sollen.
Auf dem Symposium kommen auch Vertreter der Landwirtschaftsverbände zu Wort. Stefan Köhler, Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbands, betont mit Blick auf die derzeitige Bodennutzung: „Ich glaube nicht, dass wir in der Intensität wie bisher weitermachen können.“ An erster Stelle müsse die Weiterbildung für die Landwirte stehen. Etwa durch moderne Mulchmethoden könne die Bodenerosion eingedämmt werden. Bio-Bauer Sepp Braun von der Landesvereinigung für ökologischen Landbau fordert dagegen einen Paradigmenwechsel – unter anderem mit einem europäischen Bodenschutzgesetz und einer Abkehr vom großflächigen Maisanbau in Bayern.
Auch Annette Freibauer von der Landesanstalt für Landwirtschaft betont, dass die Anforderungen an Bayerns Bauern beim Wasser- und Klimaschutz steigen werden. Weil es dabei aber um Vorsorgemaßnahmen für die gesamte Bevölkerung gehe, müsse im Rahmen der Verhandlungen über die EU-Förderung auch darüber nachgedacht werden, diese Investitionen in den Klimaschutz mit öffentlichen Geldern zu unterstützen.