Dachau – Verdreckte Böden, mit Blut und Kot verschmierte Betten – vor eineinhalb Jahren wurden die Missstände und der Personalmangel am Dachauer Helios Amper-Klinikum öffentlich. Die Vorwürfe sind gravierend: Das Pflegepersonal sei an den Grenzen der Belastbarkeit. Pfleger sagten aus, dass sich zum Teil nur zwei Krankenschwestern um 77 Patienten kümmern. Patienten schimpften über mangelnde Hygiene wie mit Blut und Kot verunreinigte Betten.
Der Personalmangel im Klinikum beschäftigt auch die Politik. Dachaus Landrat Stefan Löwl sagt: „Die wichtigsten Gründe für den Personalmangel am Klinikum sind die hohen Lebenshaltungskosten und die Wohnungsnot im Landkreis.“ Krankenpfleger könnten sich den Landkreis nur schwer leisten.
Ein Beispiel: Wer eine Ausbildung zum Krankenpfleger macht, verdient 1010 Euro brutto. In Dachau liegt die Durchschnittsmiete pro Quadratmeter laut Mietspiegel bei 9 Euro kalt. Für eine 40-Quadratmeter-Wohnung zahlt der Azubi also mindestens 360 Euro, plus Nebenkosten. Die Miete frisst den Großteil des Azubi-Gehalts auf. „Dieses Problem besteht für alle unteren Einkommensgruppen wie Kinderpfleger, Busfahrer oder Verwaltungsangestellte“, sagt Löwl.
Katharina Mathern, Sprecherin des Klinikums, bestätigt, dass es für Pflegekräfte schwierig sei, in Dachau eine Wohnung zu finden. Im Kreistag wird das Problem immer wieder angesprochen, bezahlbaren Wohnraum für Pflegekräfte zu finden – möglicherweise auch über ein weiteres Wohnheim. Doch laut Landrat Löwl „fehlen die Grundstücke mit entsprechendem Baurecht“. Anna Schwarz