Die Sternschnuppen-Nacht des Jahres
Funkenflug am Firmament
München – Der Planet Erde rast auf eine Dreckspur kosmischen Ausmaßes zu. Was klingt wie eine schlechte Nachricht, ist eigentlich eine gute. Denn kaum hat sich der Blutmond verzogen, wartet der bayerische Nachthimmel mit dem nächsten Spektakel auf. Ein kometengemachter Staubschauer verursacht am Wochenende Funkenregen am Firmament: Die Perseiden sorgen von Sonntag auf Montag für die sternschnuppenreichste Nacht des Jahres.
Helmut Hornung wird dann seine Klappliege in den Kofferraum packen und sich etwas außerhalb seiner Heimatstadt Weilheim ein dunkles, ungestörtes Plätzchen suchen. Für den Astronomie-Experten, der für die Max-Planck-Gesellschaft arbeitet, lautet der wichtigste Sternschnuppen-Tipp: „Weg von jeglicher Lichtverschmutzung!“ Denn je mehr Lichtquellen dem Auge in die Quere kommen, desto unspektakulärer zeichnet sich das Glühen der Meteore gegen den Himmel ab. Zum Glück für alle Sterngucker fällt der Perseiden-Schauer dieses Jahr mit dem Neumond zusammen. „Taschenlampen und Handys beiseite legen“, rät der Experte. Die Klappliege im Gepäck sorgt für Entspannung statt Nackenstarre: „Flach auf dem Rücken hat man den Himmel am besten im Blick“, sagt Hornung.
Wer die Geduld hat, seine Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen und den Blick einige Zeit über den Nachthimmel wandern zu lassen, wird belohnt. Astronomen rechnen in der Nacht zum Montag mit bis zu 90 Sternschnuppen in der Stunde, die besonders am nordöstlichen Himmel entlangsausen. Und auch in den Nächten um diesen Höhepunkt herum sind bereits mehr Meteore als sonst zu beobachten. Wer abergläubisch ist, sollte sich also eine lange Wunschliste zurechtlegen.
Zu verdanken haben wir das Spektakel, das nur scheinbar dem Sternbild Perseus entspringt, dem Kometen mit dem etwas sperrigen Namen 109P/Swift-Tuttle. Während er an der Sonne vorbeifliegt, taut der „schmutzige Schneeklumpen“, wie Hornung den gut 26 Kilometer dicken Knödel aus Eis, Staub und Gestein nennt, an der Oberfläche an – und hinterlässt eine Schmutzspur durchs Sonnensystem. Einmal im Jahr rast die Erde auf ihrem Weg um die Sonne durch diese Kometen-Staubwolke – „wie ein Auto ins Schneegestöber“, so Hornung. Die meist nur millimetergroßen Staubpartikel schießen dann mit bis zu 215 000 Kilometern pro Stunde, gut 60 Kilometern die Sekunde, durch die Erdatmosphäre und verglühen 80 bis 100 Kilometer über dem Boden. Weil das Phänomen immer Mitte August auftritt, nennt der Volksmund die Perseiden auch Laurentiustränen: Der Todestag des Märtyrers jährt sich am 10. August.
Der hunderte Kilometer sichtbare, Meteor genannte Lichtstreifen, erklärt Hornung, entsteht nicht durch das glühende Gestein selbst. Vielmehr reißt dieses eine Schneise in die Luft, deren Moleküle dabei ionisiert, elektrisch geladen, werden, bevor sie Sekundenbruchteile später wieder in ihren Ursprungszustand zurückschnappen. Dabei entsteht das Leuchten am Himmel.
Je heller es ausfällt, desto größer war das Meteoroid genannte Stückchen Sternenstaub, das verglüht ist. Fürchten muss man sich davor nicht, beruhigt der Astronomie-Experte. Erst, wenn die Meteoroiden etwa die Größe eines Fußballs erreichen und als Feuerkugel über den Himmel rauschen, besteht die Chance, dass sie es bis zum Erdboden schaffen, ohne komplett zu verglühen. Diese vereinzelten Brummer sind, auch wenn es nicht so aussehen mag, meist hunderte Kilometer vom Beobachter entfernt. Etwas Begriffliches am Rande: Erst wenn sie aufschlagen, nennt man Meteoroiden übrigens Meteoriten. Als Meteor bezeichnen Astronomen nur die Lichterscheinung.
Wer den Sternenregen fotografieren möchte, dem rät Fachmann Hornung zu einer Kamera mit Stativ, Weitwinkelobjektiv und Langzeitbelichtung. „Und man braucht Glück, damit ein Meteor genau durchs Bild rauscht.“ Mit weniger Technik hat man aber mehr vom Sternschnuppen-Abend, findet Hornung. „Das beste Beobachtungsinstrument ist das Auge.“