Mutiger Griff zum Pfefferspray

von Redaktion

Hatem Genctürk aus Höhenkirchen vertrieb einen Tankstellenräuber

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Eigentlich begann der Dienst an der Aral-Tankstelle am vergangenen Donnerstag ruhig für Hatem Genctürk. Doch dann, gegen halb neun Uhr abends, betrat plötzlich ein dicklicher, mit Schal und Kapuze vermummter Mann den Tankstellenshop in Höhenkirchen-Siegertsbrunn (Landkreis München).

„Überfall! Geld her!“, mehr habe der Mann nicht gesagt – mit fremdem Akzent, der auch gespielt hätte sein können. Kaum anderthalb Meter, eine Ladenthekenbreite entfernt, blickte der Vater von zwei Kindern in die Pistolenmündung, die ihm der Räuber entgegenstreckte. Trotz des Schocks reagierte Genctürk, der sich für Waffentechnik interessiert, prompt. Als der 43-Jährige in die Mündungsöffnung starrte, fiel ihm auf, dass es sich um eine Gaspistole handelte. Ihr Feuer kann Verbrennungen und Erblindung beim Opfer bewirken, ist aber weniger gefährlich als eine Pistolenkugel. „Bursche – nicht mit mir“, habe sich Genctürk gedacht.

Er zog eine Dose Pfefferspray unter der Theke hervor, die dort lag, weil es an der Tankstelle früher Probleme mit Randalierern gab, riss die linke Hand hoch, um sein Gesicht zu schützen („falls er doch abgedrückt hätte“) und sprühte dem Räuber das Reizmittel mitten in die Augen.

Der Vermummte ergriff die Flucht: Er rannte nach draußen und schwang sich auf einen weißen Motorroller. Genctürk wollte hinterher, rutschte aber in der Lache aus Pfefferspray auf dem Boden aus. Jetzt fahndet die Kripo.

Obwohl der Höhenkirchener die Geschichte souverän erzählt, hat ihn der Überfall doch mitgenommen. Er hat mit einem Psychologen gesprochen, ist nun zwei Wochen krankgeschrieben. „Reden hilft“, findet er. Danach will er aber wieder an der Tankstelle arbeiten. „Das ist, wie wenn du vom Pferd fällst“, sagt er. „Keine Angst haben, sondern bald wieder aufsteigen.“

JOSEF AMETSBICHLER

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