Neutraubling – Manche nennen ihn den Philosophen des Bayerwalds. „Geij Bou, dasd fei schee schmaatzt“ – diesen Rat seiner Mutter hat Josef Fendl immer befolgt. Auch als Münchner Turmschreiber hat er immer „schön geredet“, freilich blieb er beim Dialekt, vornehmlich der Oberpfälzer Ausprägung. Heute wird Fendl, der den Dialekt verteidigte, als das noch nicht en vogue war, wie man auf Neubairisch sagt, 90 Jahre alt. „Zeitgeist ist Zeit minus Geist“, pflegt er zu sagen.
Mehr als 60 Bücher hat er herausgegeben, sein Fundus an Spruchweisheiten ist schier unerschöpflich. Die Werke sind eine Fundgrube für Aphorismen und Volksweisheiten. Gewissermaßen ist Fendl Jäger und Sammler, er schnappte schon als Kind immerwährende Volksweisheiten auf und schrieb sie nieder.
Zum Beispiel auch kuriose Grabsprüche: „Hier ruht die Barbara Lentner, sie wog dritthalb Zentner, Gott geb ihr in der Ewigkeit, nach ihrem Gewicht die Seligkeit“.
Die Zahl der Gratulanten in Fendls Heimatort Neutraubling bei Regensburg dürfte heute hoch sein. Sepp Obermeier vom Bund Bairische Sprache sagt: „Fendl wurde lange als Sprüchemacher verkannt. Das Etikett klebt zäh an ihm. Zu Unrecht. Er ist Philosoph.“
Gerhard Holz vom Förderverein Bairische Sprache und Dialekte nennt ihn ein „Urgestein, wenn es ums Bairisch geht“. Er ist mit Fendl seit 25 Jahren befreundet. Wenn er ihn besuche, sagt Holz, „gibt es immer einen guten Ratsch“. mm