Oberhaching – In Zukunft soll es Fahrgästen nicht mehr so gehen wie unserem Leser Franz Xaver Sailer aus Bad Tölz, der vier verschiedene Fahrkarten für eine 22 Kilometer lange Strecke lösen musste. Daran arbeitet mit großem Elan der neue MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch. Er hat viel vor, um den MVV attraktiver zu machen. Gestern stellte er seine Strategie Landräten und Bürgermeistern in der Sitzung des Regionalen Planungsverbands München (RPV) im Rathaus Oberhaching (Kreis München) vor.
Dabei zitierte Rosenbusch den Fahrgast Franz Xaver Sailer, der in einem Leserbrief seine „Reise“ von Benediktbeuern nach Reichersbeuern beschreibt: Er benötigte hin und zurück acht Fahrkarten für insgesamt 20 Euro. „Von Benediktbeuern nach Bichl kauft man eine DB-Karte, von Bichl nach Bad Tölz eine RVO-Karte, vom zentralen Busbahnhof Bad Tölz zum Bahnhof Bad Tölz eine MVV-Karte, von Bad Tölz Bahnhof bis Reichersbeuern eine BOB-Karte.“
Damit das Reisen in Südbayern einfacher wird, arbeitet der MVV an einer Verbunderweiterung: „Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach wollen zeitnah eintreten.“ Bis 2021 sollen sie in den MVV-Verbund angegliedert werden, so der Plan. MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch führt derzeit viele Gespräche mit Landräten und Bürgermeistern in den verbundfreien Gebieten und steht in engem Kontakt mit dem Verkehrsministerium.
„Die Leute wollen durchgehend reisen“, Takte müssten angepasst und Tarife vereinheitlicht werden, damit Pendler vom Auto auf die Bahn umsteigen. Rosenbusch stellte fest: „Langfristig ist es für die Landkreise wichtig, bei einem Verbund mitzumachen. Ein einzelner Landkreis kann die Herausforderungen der Digitalisierung wie elektronische Tarife und neue Vertriebswege alleine nicht bezahlen und wird sich daher digital ins Abseits führen.“
Gleichzeitig will der MVV die vielfältigen Mobilitätsangebote, die derzeit auf den Markt drängen, koordinieren: MVV, Deutsche Bahn und S-Bahn arbeiten an einer gemeinsamen Mobilitätsplattform, auf der sich Kunden über Routen, Abfahrtszeiten und Preise informieren und Tickets buchen können. „Bisher müssen sich die Kunden für jede App neu registrieren und ihre Kreditkarte hinterlegen. Das ist nicht kundenorientiert.“ Das Ziel sei, eine gemeinsame Mobilitätsmarke zu schaffen. Schon 2020 sollen die ersten 1000 Test-Nutzer das System erproben.
Die versammelten Bürgermeister und Landräte ermutigte Rosenbusch, penetrant für den ÖPNV-Ausbau einzutreten: „Sie müssen fordern, bis der Arzt kommt“, nur über die Politik komme man hier weiter.
Der Münchner Landrat Christoph Göbel (CSU) appellierte: „Wir müssen aus dem Reaktionsmodus herauskommen und im Vorgriff wirksam an einer echten Vision arbeiten, um zu einem Infrastruktursystem zu kommen, das funktioniert.“ Er stellte fest: „Die Ideen liegen auf dem Tisch, aber wir müssen sie gemeinsam vorbringen.“ Allerdings gelinge der Umstieg vom Auto auf die Bahn auch nur mit Zuschüssen von Freistaat und Bund.