200 Flüge nach Panne annulliert

von Redaktion

Ein unkontrollierter Passagier hat am Flughafen München die Sperrung beider Terminals ausgelöst. 200 Flüge mussten annulliert werden, es kam den ganzen Tag über zu Verspätungen. Das erinnert an einen ähnlichen Vorfall vor einem Jahr.

München – Es war wohl keine böse Absicht, und der Verursacher der Aufregung wirkte am Ende auch recht zerknirscht: Ein 21-jähriger spanischer Student hat am Flughafen für reichlich Chaos gesorgt. Der Mann war Dienstagfrüh aus Bangkok am Terminal 2 angekommen und wollte ins Terminal 1, um seinen Anschlussflug nach Madrid zu erreichen. Dabei unterlief ihm ein folgenschwerer Fehler: Er öffnete einen Notausgang. Als der Alarm anschlug, lief er davon. Und das Chaos nahm seinen Lauf.

Bangkok hat einen sogenannten „schmutzigen“ („unclean“) Flughafen, der nicht nach europäischen Standards kontrolliert. Daher müssen Passagiere bei der Einreise in die EU noch einmal durch die Sicherheitsschleuse. Auf dem Weg dorthin gibt es Notausgänge. Eine dieser Notfalltüren öffnete der Spanier. Er hatte, so schilderte er es bei der Vernehmung in der Flughafen-Polizeiinspektion, die Toilette aufgesucht. Als er wieder auf den Gang kam, war der Besucherstrom abgerissen. „Es war keiner mehr da, dem er folgen konnte“, so schildert es Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer. Der Mann war verwirrt, öffnete die Tür und verschwand.

Gegen 7.30 Uhr schlug bei der Bundespolizei der Alarm, sagt Sprecher Christian Köglmeier. Weil der Notausgang durch Kameras überwacht wird, hatte die Polizei schnell ein Lichtbild des Spaniers und machte sich auf die Suche. Das Terminal 2 wurde geschlossen, ebenso die Bereiche B und C im Terminal 1. Weil es um „gefahrenabwehrende Maßnahmen“ geht, sei das nach den EU-Gesetzesvorgaben unumgänglich gewesen, sagte der Polizeisprecher. Bei den Passagieren löste das naturgemäß keine Begeisterung aus. Es ist Urlaubszeit, tausende Reisende sahen auf den Anzeigetafeln des Flughafens, wie ihre Flüge nach und nach annulliert wurden. Erst waren es nur 50, am Mittag dann 130, päter 200. Der Flughafen reagierte schnell, verteilte Wasser und Snacks. „Erstaunlich entspannt“ war die Lage, so Sprecher Köglmeier, „das hat mich selbst gewundert.“ Die Lufthansa, mit über 100 Flügen betroffen, bot ihren Reisenden die Umwandlung von dem Flug- in ein Bahnticket an, sofern sie innerdeutsch reisen. Außerdem hat die Lufthansa 1200 Betten in Hotels der Umgebung für solche Notfälle gebucht – die Hotelkosten werden erstattet.

Der Student wurde erst gegen 11 Uhr im Terminal 1 aufgegriffen. Er hatte einen Shuttle-Bus genutzt, der Passagiere zwischen T1 und T2 befördert. Gegen ihn wird wegen Missbrauchs von Notrufen und Verstoßes gegen das Luftsicherheitsgesetz ermittelt, sagte Polizei-Sprecher Kammerer. Ob Regressforderungen wegen annullierter Flüge auf ihn zukommen, ist unklar.

In den Sommerferien 2018 gab es bereits einen ähnlichen Vorfall mit damals 31 000 betroffenen Passagieren. Trotzdem: Verhindern lassen sich solche Vorfälle nach Meinung der Polizei nicht. „Es liegt in der Natur der Sache, dass man eine Notfalltür öffnen kann.“  dw/lby

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