Gefährlicher Paddel-Spaß

von Redaktion

Es ist der Trendsport im Sommer: Überall in Bayern schippern Stand-up-Paddler über die Seen. Doch: Das Paddeln macht zwar Spaß, ist aber gefährlicher, als viele denken.

VON CLAUDIA SCHURI

München – Die Entscheidung, da ist sich Rosemarie Biehler sicher, war richtig. Sie ist Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins, der das Strandbad in Seehausen am Staffelsee (Kreis Garmisch-Partenkirchen) betreibt. Dort waren diesen Sommer zum ersten Mal Stand-up-Paddel-Boards verboten. „80 Prozent der Badegäste haben gesagt, dass sie das gut finden“, sagt Biehler. „Wir werden deshalb auch nicht mehr zurückrudern.“ Vergangenes Jahr kamen an schönen Sommertagen noch zwischen 60 und 70 Freizeitsportler ins Seebad, um auf ihren Brettern stehend über das Wasser zu gleiten. „Doch es hat immer wieder Konflikte mit den anderen Badegästen gegeben“, sagt Biehler. „Und es ist auch eine Sicherheitsfrage.“ Wenn Schwimmer, Kinder und Paddler aufeinander treffen, dann könne schnell etwas passieren.

„Viele Paddler können die Gefahren gar nicht abschätzen“, sagt Wolfgang Kennel, der beim Bayerischen Kanu-Verband Ansprechpartner für Stand-up-Paddling ist. Er paddelt selbst gerne, macht bei Wettkämpfen mit und führt Kurse durch. „Stand-up-Paddling ist ein sehr schöner Sport“, sagt er. „Man bewegt sich in der Natur und stärkt die Muskulatur.“ Aber: „Es ist ein Problem, wenn sich jeder einfach ein Billigboard kauft und damit über den See schippert.“ Denn zum einen seien die günstigen Bretter, die im Discounter angeboten werden, „fahrtechnisch eine Katastrophe“. Zum anderen würden viele Paddler Naturschutzzonen nicht beachten und zu unvorsichtig sein. „Fast niemand trägt eine Schwimmweste und Badeschuhe“, kritisiert Kennel. „Und viele Paddler meiden nicht einmal die Bereiche, wo viele Badende sind.“ Er rät jeden, der den Sport ausprobieren möchte, zuerst einen Einführungskurs zu machen. „Die Kurse dauern zwei bis drei Stunden und damit hat man schon einmal eine gute Grundlage.“

Dass mehr Paddler an so einem Lehrgang teilnehmen, wünscht sich auch die Wasserwacht. Michael Ringel leiste in Stegen am Ammersee (Kreis Starnberg) Wachdienst. Auch dort gab es diese Badesaison besonders viele Einsätze wegen Stand-up-Paddlern. „Die Unvernunft ist groß“, sagt er. „Ich habe schon gesehen, dass Leute ohne Schutzausrüstung mit kleinen Kinder, die noch nicht einmal richtig schwimmen können, weit hinausgepaddelt sind.“ Hinzu käme, dass sich viele Sportler überschätzen und Gewitterwarnhinweise missachten würden. „Wenn es an einem schönen Tag plötzlich windig wird, haben wir oft mehrere Einsätze gleichzeitig“, berichtete Ringel. „Es ist für uns auch nicht immer sofort ersichtlich, wer wirklich ein Problem hat.“

Besonders gefährlich sei, wenn Paddler sich mitten auf dem See auf ihr Brett legen würden. „Die Kapitäne der großen Schiffe können die Paddler dann nicht sehen“, sagt er. „Wir können leider darauf warten, dass auf einem bayerischen See ein tödlicher Unfall passiert, weil ein Paddler mit einem Dampfer kollidiert.“

Sein Appell deshalb: „Die Leute sollen im Uferbereich bleiben, sich vorher informieren, wie Stand-up-Paddling funktioniert, und sich an die Baderegeln halten.“ Dann bräuchte es auch keine strengeren Vorschriften.

Denn auch er ist nicht prinzipiell gegen den Sport. Die Wasserwacht nutzt die Bretter sogar selbst. „Sie sind ein gutes Rettungsmittel, weil sie schnell einsetzbar und sehr leicht sind“, erklärt er. Auf den Brettern hätten die Retter durch die erhöhte Sichtposition zudem einen guten Überblick. „Das hilft bei Suchaktionen“, sagt Ringel. Ein weiterer Vorteil sei, dass man auch in enge Bereiche fahren könne, wie zum Beispiel in die Seitenarme eines Flusses. „Die Rettungsbretter, die wir sonst haben, sind härter, schwerer und sperriger“, erklärt er. Ringel entwickelt für den Kreisverband Augsburg Land gemeinsam mit einem Kursanbieter gerade ein Ausbildungskonzept für die Retter auf den Brettern. „Ziel ist, dass jeder damit umgehen kann.“

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