München – Selbst der „Kini“ soll diesen unsäglichen Zustand gekannt haben. Schlaflosigkeit! Ludwig II. erging es somit nicht besser als hunderttausenden Menschen im Freistaat heute: In Bayern, heißt es im aktuellen Barmer-Gesundheitsreport, leiden derzeit mehr als 41 von 1000 Beschäftigten unter „ärztlich attestierten Ein- und Durchschlafstörungen“. Damit sind wir unter den TOP 3 – nur in Rheinland-Pfalz/Saarland (42) und in Berlin (44) schlafen die Menschen noch schlechter. Ein trauriger Spitzenwert.
Denn: Wer nicht anständig schläft, wird öfter krank, warnen Experten. „Forschungsergebnisse zeigen eindeutig, dass Schlaf das Gehirn gesund hält, Reparaturprozesse im ganzen Körper begünstigt – und die Körperabwehr stärkt“, sagt Dr. Christian Benedict, Schlafforscher und Autor des kürzlich erschienenen Buches „Schlaf ist die beste Medizin“ (Eden-Books; 16,95 Euro). Auch Prof. Jürgen Zulley, Schlafexperte aus Regensburg, erklärt in der „Ärzte Zeitung“: „Schlaf ist ein aktiver Erholungsprozess. Nach außen sieht es zwar wie ein Ruhezustand aus, ist es aber nicht.“
Was die Hirnaktivität betreffe, sei der Mensch im Schlaf teilweise wacher als im Wachzustand: „Alle Prozesse, die für Regeneration sorgen, werden aktiviert. Nur im Tiefschlaf wird etwa ein Wachstumshormon ausgeschüttet, das für die Zellerneuerung und den Fettabbau sorgt. Und alles, was wir am Tag gelernt haben, wird in der Nacht abgespeichert“, sagt Zulley weiter.
Doch was genau beschert uns so viele durchwachte Nächte? Antworten darauf lieferte kürzlich eine Forsa-Umfrage. Sie ergab, dass Stress im Beruf der häufigste Grund für Schlafstörungen ist – das Gedankenkarussell rund um die Arbeit bringt fast jeden Zweiten von rund 1000 Befragten (41 Prozent) gelegentlich um den Nachtschlaf. Mehr als jeder Dritte (37 Prozent) fühlt sich durch private Sorgen der Nachtruhe beraubt. Und jeder Achte (12 Prozent) sagt, dass er kurz vor dem Zubettgehen noch länger mit Smartphone, Tablet oder PC beschäftigt ist – und daher keinen Schlaf findet.
Kein Wunder, antworten darauf Experten. Wer sich vorm Einschlafen durch digitale Medien ablenken lässt, reduziere seine Schlafqualität! Denn im Internet zu surfen, E-Mails zu checken und Nachrichten zu schreiben, erhöhe die geistig-emotionale Aktivität. Die Anspannung steigt – von Schlaf kann man dann oft nur noch träumen.
Mehrere Studien zeigen zudem, dass ein hoher Blauanteil im Licht von Bildschirmen unseren Schlaf beeinträchtigt. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Hormon Melatonin – es sorgt dafür, dass wir bei Dunkelheit müde werden. Blaues Licht lässt allerdings den Melatoninspiegel sinken. Und ist seine Produktion erst mal gehemmt, schläft man schlechter ein.
Zu wenig Schlaf hat aber nicht nur Auswirkungen auf unsere Gesundheit und somit das Wohlbefinden – die schlaflose Gesellschaft zieht durchaus auch wirtschaftliche Folgen nach sich, wie der aktuelle Barmer-Gesundheitsreport belegt: „Schätzungen gehen von einem Produktivitätsausfall von bis zu 1,6 Prozent des Bruttosozialproduktes aus“, heißt es dort. Und weiter: „Internationale Studien lassen eine doppelt so hohe Rate an Arbeitsunfähigkeiten bei Mitarbeitern mit Schlafstörungen im Vergleich zu ihren ausgeschlafenen Kollegen vermuten.“ Es wäre also wirklich an der Zeit für mehr – gesunden – Schlaf.