Hebertshausen – Hier spricht jemand Klartext: In einem offenen Brief an Kultusminister Michael Piazolo (FW) kritisiert ein Bürgermeister aus dem Landkreis Dachau Entwicklungen im Bildungssystem. Vor allem die Grund- und Mittelschulen würden seit Jahren „systematisch kaputt reformiert“, erklärt Richard Reischl. Er ist für die CSU Bürgermeister in Hebertshausen. Schon einmal hat er mit einem offenen Brief Aufsehen erregt – damals kritisierte er die restriktive Asylpolitik der CSU scharf. Nun ist Piazolo an der Reihe.
Aktueller Anlass ist die verordnete Mehrarbeit für Grund- und Mittelschullehrer. „Das ist Ihre Lösung, Herr Kultusminister Piazolo?“, fragt Reischl ironisch. Er prophezeit, dass es künftig noch weniger Studenten für dieses Lehramt, mehr Krankmeldungen von Lehrern und Born-out-Ausfälle geben werde. Die Grund- und Mittelschule werde dauernd reformiert, aber ohne Erfolg. Früher sei die Mittelschule hoch angesehen gewesen, Absolventen hätten mit einem Mittelschul-Abschluss auch eine Banklehre beginnen können. Das sei heute nicht mehr möglich. Trotz der bekannten Probleme, Lehrer zu finden, schlägt der Bürgermeister eine radikale Absenkung der Klassenstärken in den Grundschulen vor. Statt 26 oder 27 Schüler dürften maximal 16 in einer Klasse sitzen.
Reischl ist kraft seines Amtes auch Verbandsvorsitzender der Grund- und Mittelschule Hebertshausen, die seinen Angaben zufolge nahe vor dem Aus steht. Seinen Brief an Piazolo schließt er mit den Worten: „Wahrscheinlich werden Sie diesen Brief ignorieren, abtun als eine Botschaft vom immer frustrierten Reischl. Doch ich gebe meinen Glauben nicht auf, irgendwann auf offene Ohren zu stoßen.“ mm/no