Digitaler Wettkampf auf dem Rennrad

von Redaktion

Zur Zeit müssen viele Radsportler schmerzlich erfahren, dass bei der Ausgangsbeschränkung gemeinsame Rennradrunden tabu sind. Zwei Amateursportler aus dem Schongauer Land haben eine digitale Lösung organisiert, mit der Radsportbegeisterte dennoch gemeinsam Spaß haben.

VON KLAUS MERGEL

Apfeldorf – Wettkampf ist das beste Training. Das weiß auch Thorsten Bauer aus Apfeldorf (Kreis Landsberg). Der 41-Jährige Berufssoldat ist leidenschaftlicher Rennradfahrer und Triathlet, sieben Mal hat er bereits den Ironman absolviert. Darum fährt er – so oft es das Familienleben erlaubt – bei den Radrunden von Christian Riesenbeck mit: Der 43-Jährige, ebenfalls Berufssoldat, ist als Sprint-Spezialist des Vereins RC77 Altenstadt überregional bekannt. Nebenbei betreibt er seinen kleinen Radsportladen „Veloass“ in Hohenfurch. Mit Kunden und Freunden dreht er gerne Feierabendtouren, da geht es schon ambitioniert zur Sache. Und regelmäßig gibt es längere Ausfahrten am Wochenende. Damit ist es aber dank Corona fürs Erste vorbei.

„Ich hab mir gedacht: Es muss doch einen Weg geben, wie wir jeder für sich, aber dennoch gemeinsam fahren können“, sagt Bauer. Die Lösung: ein digitaler Vergleich. Er habe sich schon öfter auf dem Rollentrainer mit anderen „gebattelt“, also einen Wettkampf geliefert – über die Videoapp „Zwift“, bei der man sich auf virtuellen Runden mit Fahrern misst, die ganz woanders leben.

Bauers Lösung: Die kostenlose Touren-App „Strava“, die er schon länger nützt. Diese App ist eine Art soziales Netzwerk, in dem man seine Leistung auf Streckenverläufen speichern und auswerten kann. „Ich dachte mir: Jeder hat gute Ideen und kennt schöne Touren“, sagt Bauer, „So kann man auch neue Strecken von anderen Fahrern kennenlernen.“

Vergangene Woche rief Bauer die Facebookseite „strava TT- race LL – SOG“ ins Leben. Sobald man bei der Seite mit dem etwas sperrigen Namen auf „Gefällt mir“ klickt, sieht man die erste Strecke: von Leeder über Denklingen nach Kinsau, rund 13 Kilometer. Dazu gibt es den strava-Link. Wenn man die Gratis-App am Handy hat, lädt man bei der Fahrt seine Geschwindigkeit und Zeit hoch – und tritt in Vergleich mit anderen Fahrern. „Diese Strecke haben wir mal als Piloten festgesetzt“, sagt Bauer. Am Stichtag, dem 26. April wird ein Sieger gekürt.

Radkamerad Riesenbeck hatte praktisch zeitgleich dieselbe Idee. „Aber Thorsten hat das zuerst umgesetzt. Es funktioniert prima und einfach“, sagt er begeistert. „Das ist ein toller Ansporn für alle, trotz der Krise aufs Rad zu kommen.“ Riesenbeck unterstützt Bauer bei dem Projekt als Administrator. Und steigert den Spaß, indem er spontan einen Preis für den Sieger spendierte: einen Einkaufsgutschein über 50 Euro in seinem Laden. „Wenn es gut läuft und viele mitmachen, ist da mit Preisen noch Luft nach oben“, kündigt Riesenbeck an.

Und es läuft wie geschmiert: Innerhalb von zwei Tagen meldeten sich schon vierzig Fahrer an. Denn Bauer und Riesenbeck haben die neue Facebookgruppe fleißig geteilt und in ihrem sportlichen Netzwerk gestreut. Elf Hobbyfahrer fuhren – obwohl der Start eigentlich erst der 13. April wäre – bereits die Pilotstrecke ab, ihre Leistung ist auf Strava öffentlich getrackt und als Bestenliste sichtbar.

„Wir wollen das Ganze simpel halten, darum gibt es nur drei Klassen“, sagt Riesenbeck. Die da wären: Bis 49 Jahre, ab 50 Jahren und eine Damen-Klasse. Mitmachen darf jeder. Material ist egal – nur E-Bikes sind ausgeschlossen. „Es würde uns freuen, wenn wir noch viele andere Mitfahrer bekommen“, sagt Bauer. Klar sei jedoch, mahnt er, dass es sich nicht um eine öffentliche Veranstaltung im Straßenverkehr handle. Und dass jeder eigenverantwortlich und den Verkehrsregeln entsprechend fährt.

Und es geht basisdemokratisch zu: Jedes Mitglied darf ein neues Segment – so die Bezeichnung der Strecken – vorschlagen, etwa seine Lieblingsstrecke oder eine, die einem gut liegt. „Wir werden dann die geeignetsten auswählen für die nächste Veranstaltung“, sagt Bauer. Wichtig sei: möglichst verkehrsarm, wenig Linksabbiegungen und Übersichtlichkeit. Und die Strecken sollen irgendwo zwischen Landsberg, Schongau, Ammersee und dem Auerberg liegen. Auch wenn Triathlet Bauer bisher ganz oben auf der Pilotstrecke mitfährt – um den sportlichen Erfolg geht es ihm eigentlich gar nicht. „Wir hocken derzeit alle oft daheim, das ist eine gute Ablenkung“, sagt er, und man hört ihm seine Begeisterung an. „Das ist auch ein bisschen was für die Seele und die Gemeinschaft in diesen schwierigen Zeiten.“

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