Die Corona-Pandemie ist auch für die Kirchen und die Gläubigen eine Herausforderung. Axel Piper ist evangelischer Regionalbischof im Kirchenkreis Augsburg und Schwaben und sieht die Krise dennoch auch als Chance zum Guten. Im Interview erklärt er, was die Menschen daraus mitnehmen könnten.
Worauf müssen sich die Gläubigen in den kommenden Wochen und eventuell Monaten einstellen?
In dieser für uns alle neuen Situation sind wir im fast ständigen Gespräch mit den Gemeinden, Dekanaten, staatlichen Stellen und in der Kirchenleitung. Was ich erlebe: Es gibt den unbedingten Willen, mit unseren Kirchenmitgliedern im Gespräch zu bleiben, und sehr viel Fantasie, auf die Herausforderungen zu reagieren. Was im Moment absehbar ist: Es wird bis einschließlich Ostern keine Gemeindegottesdienste geben, Konfirmationen, Trauungen, etc. müssen verschoben werden.
Gerade ältere Menschen, also klassische Kirchgänger, sind mit den sozialen Medien nicht so vertraut, was kann und muss man jetzt tun?
Wir empfehlen, die Kirchen offen zu halten, sodass Menschen jeden Alters für sich dort beten können, Ruhe finden, eine Kerze anzünden… Wir verweisen natürlich auf unsere Seelsorgerinnen und Seelsorger, die ansprechbar sind, auch per Telefon, Mail. Und wir bewerben die Gottesdienste und Andachten im Rundfunk, im Fernsehen.
Es drohen weitere Schritte bis hin zur Ausgangssperre. Wie viel Isolation verträgt der Mensch?
Ganz isoliert werden wir nicht. Es gibt Fernsehen, Internet, Bücher, Telefon. Es gibt den Ratsch über den Gartenzaun (natürlich mit Sicherheitsabstand) oder die Kommunikation von Fenster zu Fenster. Wir werden nicht zu Gefängnisinsassen. Und wenn es eine Zeit lang nicht so gesellig ist, bietet das vielleicht auch eine Chance zum Guten: Dass wir uns mangels Ablenkung konzentrieren werden auf die Dinge, die uns im Leben wichtig sind.
Was bedeutet, auch theologisch betrachtet, eine solche Gesundheitskrise für die Menschen?
Für manche Menschen vielleicht ein Stück Demut, nämlich die Erkenntnis, dass wir Menschen eben nicht alles im Griff haben. Für andere Menschen wiederum ist es möglicherweise die beruhigende Erfahrung, dass auch in der Krise ihr Gottvertrauen trägt. Und vielleicht auch die Einsicht, dass es Momente im Leben gibt, da sind wir alle gleich und dürfen darauf vertrauen, dass uns Gott nicht aus der Hand lässt.
Wir müssen unser Leben umkrempeln auf unbestimmte Zeit, ist der Mensch dazu überhaupt bereit?
Ich bin überzeugt, dass wir Menschen angesichts der Krise lernfähig sind. Und wer weiß? Vielleicht sind wir nach der Krise ein wenig solidarischer, konzentrierter und wesentlicher. Interview: Ralf Schick