Eine Schau im Zeichen der Wittelsbacher

von Redaktion

VON ULF VOGLER

Friedberg/Aichach – Normalerweise gilt bei den Bayerischen Landesausstellungen die Faustformel: Wenigstens 100 000 Besucher sollten kommen. Im Idealfall werden viel mehr gezählt, wie 2011 bei einer Ludwig-II.-Schau in Schloss Herrenchiemsee, als die Marke von einer halben Million Gästen weit überschritten wurde. In diesem Jahr ist alles anders. Die Landesausstellung „Stadt befreit. Wittelsbacher Gründerstädte“ in Schwaben ist von diesem Mittwoch an bis zum 8. November zu sehen. Doch der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Richard Loibl, ist wegen der Corona-Einschränkungen nicht einmal sicher, überhaupt die Marke von 100 000 Gästen zu erreichen. Er habe „keine Ahnung“, mit wie viel Besuchern gerechnet werden könne.

Manche Beobachter hatten schon mit einer Absage der Landesausstellung gerechnet, nachdem reihenweise andere Großveranstaltungen ausfielen. Nun öffnet die Geschichtsausstellung doch noch mit eineinhalb Monaten Verspätung. Und mit strengen Hygiene-Vorgaben – was zu längeren Wartezeiten führen könnte.

Hauptausstellungsort ist das Wittelsbacher Schloss in Friedberg nahe Augsburg. Das Schloss wurde vor wenigen Jahren umfassend saniert. Im 20 Kilometer entfernten Aichach wurde die frühere Feuerwehrwache für die Landesausstellung umgebaut. Die vergangenen Wochen waren dadurch geprägt, dass die teils auch aus dem Ausland kommenden Exponate trotz der geschlossenen Grenzen in die zwei Ausstellungsorte gebracht werden mussten. Etwa 150 Leihgaben aus sieben europäischen Ländern werden gezeigt: vom mittelalterlichen Latrinensitz aus Landshut bis zu einem 600 Jahre alten Schriftstück über Landvermessung, das sonst in einer Bibliothek in der Provence lagert.

Die Ausstellung zeigt, wie die Wittelsbacher Herzöge sich ab dem 13. Jahrhundert gegen die anderen Adelsfamilien in Bayern wie die Grafen von Bogen durchsetzten, indem sie mit der Gründung von neuen Städten an den Handelsrouten ihre Macht sicherten. Für die Kinder wird die Geschichte auch mit Comics anschaulich gemacht.

Die Wittelsbacher hatten einst ihre Stammburg in der Nähe der heutigen Stadt Aichach und nannten sich nach dem dortigen Ort Oberwittelsbach – die Region nennt sich daher heute Wittelsbacher Land. Das Adelsgeschlecht der späteren bayerischen Könige gründete auch die Städte Aichach und Friedberg. Die beiden gastgebenden Städte seien damit selbst die beiden größten Exponate, sagte Loibl.

Die Landesausstellung

im Wittelsbacher Schloss in Friedberg und dem FeuerHaus in Aichach hat bis zum 8. November täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Kombikarte kostet 12 Euro (ermäßigt 9 Euro, Kinder 2 Euro). Besucherinformationen unter hdbg.de.

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