Die gefälschte Unterschrift

von Redaktion

SCHRIFTSTÜCKE UND IHRE GESCHICHTE Hans Rossmann in Preußen

Samerberg/Inning – Eine Stelle in Breslau – in Preußen! Bei den Preißn! Für den urbayerischen Maler Hans Rossmann muss diese Wendung in seinem Leben ein großer Schock gewesen sein. Dabei war er an der Misere selbst schuld: Schließlich hatte er nach langen Diskussionen mit seiner Ehefrau über das zugegebenermaßen sehr verlockende Angebot der Königlichen Kunst- und Kunstgewerbeschule in Breslau gesagt: „Mach, was du willst.“ Und das tat sie auch: Sie unterschrieb den Vertrag kurzerhand selbst.

„Meine Großmutter, obwohl klein und zierlich, war jedoch recht energisch und hatte ihren Mann und die Kinder voll im Griff“, erzählt der 89-jährige Enkel des Malers Fritz Rossmann heute. Er weiß aus Erzählungen, dass sie damals genug hatte von dem alltäglich entspannten, aber finanziell angespannten Künstler-Leben, das Rossmann samt Familie in Bayern führte. „Als Künstler war er Disziplin und Pünktlichkeit nicht sonderlich zugetan“, berichtet der Enkel. „Zwischen heftigen Malphasen verbrachte er seine Tage oft in heiterem Nichtstun.“ Nur wenn die Schmiedin in Samerberg (Kreis Rosenheim), wo die Familie ihre Sommer verbrachte, in der Früh zum Professor hinaufrief: „Da steht a Hirsch!“ – dann gab es kein Halten mehr: „Dann sprang er in die Hosen und war sogleich auf der Pirsch.“

Diese Geschichten kennt Fritz Rossmann natürlich nur vom Hörensagen; sein Großvater starb schon 1915 mit nur 47 Jahren nach langer Krankheit in München. 1928 starb auch Fritz Rossmanns Vater an den Spätfolgen des Krieges, als der Sohn erst 14 Jahre alt war. Heute sind alle Verwandten aus der älteren Generation schon tot – und so weiß Fritz Rossmann bis heute sehr wenig von der schillernden Familiengeschichte.

Dabei waren die Rossmanns eine echte Künstlerdynastie: Der Urgroßvater war der Historien- und Glasmaler Johan Baptist Rossmann; Bruder und Neffe des Großvaters waren ebenfalls Maler. Hans Rossmann selbst hatte an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert. Er war auch Grafiker und Illustrator, zeichnete etwa für die Zeitschriften „Jugend“ und „Simplicissimus“. Ab und an weilte er wohl auch auf Schloss Neubeuern. Dort entstanden Landschaftsbilder und Porträts, durch sie wurde er ein Hauptvertreter der „Samerberger Maler“. In Breslau, wo er wohl bis 1912 lebte, wurde er Gründungsmitglied des Schlesischen Künstlerbundes. Doch in Familienbesitz blieb keines der Werke. „Leider haben wir kein einziges Bild mehr vom Großvater“, berichtet Fritz Rossmanns Ehefrau Eva. Über den Verbleib der Bilder weiß man wenig: Es hieß, der Großvater habe alle seine Werke an einen österreichischen Kaufmann verkauft. Das Internet verzeichnet einen bekannten Aufenthaltsort eines Bildes: im Rathaus von Breslau. Denn der – illegal – unterschriebene Vertrag „besiegelte den Umzug der Familie in einer langen, beschwerlichen Reise mit der Postkutsche nach Breslau“, erzählt Fritz Rossmann.

1905 muss das gewesen sein, denn: Eine Urkunde zeugt von der Ernennung Rossmanns zum Professor. Darin heißt es: Nachdem ich dem Lehrer an der Königlichen Kunst- und Kunstgewebeschule in Breslau, Maler Hans Roßmann, in Rücksicht auf seine anerkennenswerten Leistungen den Titel „Professor“ verliehen habe, erteile ich ihm dieses Patent in dem Vertrauen darauf, dass er Seiner Majestät dem Könige und dem Allerhöchsten Königlichen Hause in unverbrüchlicher Treue ergeben bleiben und die Kunst zu fördern auch ferner mit stets regem Eifer bemüht sein werde.

Diese Urkunde ist das einzige Erinnerungsstück, das dem Enkel von seinem Großvater geblieben ist. Sie hat einen Ehrenplatz. Sie hängt fein eingerahmt in seinem Haus in Inning am Ammersee – und zeugt von der Geschichte der schillernden Familie Rossmann. NINA PRAUN

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