Schöngeising – Manchmal ist die Arbeit von Petra Schreiner wie ein riesiges Puzzle. Momentan sortiert sie alte Pferdegeschirre – alle sind in viele Einzelteile zerlegt. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bauernhofmuseum Jexhof bei Schöngeising (Kreis Fürstenfeldbruck) ist die 45-Jährige dafür zuständig, den Bestand des Museums zu prüfen und zu reduzieren. „Wir haben eine riesengroße Sammlung und können gar nicht alles behalten“, sagt sie. „Manche Objekte besitzen wir vielfach.“ Rund 17 000 inventarisierte Objekte hat der Jexhof, dazu kommen 5000 bis 6000 weitere, die noch nicht erfasst sind. Doch der Platz ist begrenzt. Viele historische Gegenstände müssen in Speichern oder Scheunen gelagert werden – nicht optimal.
Schreiners Arbeitsplatz ist eine Halle in Unterschweinbach, das Jexhof-Zwischendepot. Jedes Jahr werden zwischen 1000 und 1500 Objekte dorthin geliefert – und alle müssen bewertet werden. Am kommenden Samstag öffnet das Depot seine Türen: Bei einem Flohmarkt werden Dinge verkauft, die das Museum aussortiert hat. Werkzeuge wie Schraubenschlüssel, Hämmer, Hobel und Zangen müssen genauso weg wie zum Beispiel viele Eisenteile, Honigschleudern und alte Vogelkäfige. Auch drei braune Öfen stehen zum Verkauf. „Sie sind noch intakt“, sagt Petra Schreiner. Vermutlich stammen sie aus den 1930er- bis 50er-Jahren, über ihre Geschichte ist nichts bekannt. Schreiner schätzt, dass sie in Wohnungen standen. „Auf dem Bauernhof war eher ein großer Kachelofen“, erklärt sie. Im Angebot sind deshalb zahlreiche grüne Kacheln, zum Teil abgebrochen oder mit abgeplatzter Glasur. Besonders kurios: Auch ein Toilettenstuhl wird verkauft. Doch Schreiner warnt: „Er hat starke Gebrauchsspuren, ist verschmutzt und die Schüssel fehlt.“ Nicht vollständig ist zudem ein ehemaliger Motorwagen – hier fehlt der Motor. Anfang des 20. Jahrhunderts war das Gerät eine große Arbeitserleichterung für eine Bauernfamilie. „Der Wagen konnte zum Antrieb von Maschinen genutzt werden“, sagt Schreiner.
Der Entscheidung, Teile zu verkaufen, geht ein langer Prozess voraus, an dem Experten und ein eigenes Gremium beteiligt sind. Für die Bewertung ist entscheidend, ob die historischen Objekte in die Sammlung passen: „Voraussetzung ist, dass ein Bezug zum bäuerlichen Leben im Landkreis Fürstenfeldbruck dokumentiert ist“, erklärt Schreiner. Weitere Kriterien sind unter anderem der Zustand der Stücke, ob sie einzeln oder schon industriell hergestellt wurden und ob ihre Geschichte bekannt ist. „Im Idealfall haben wir ein Objekt und ein Foto von der Familie“, erklärt sie.
Zwei Teile mag die 45-Jährige besonders: einen Odel-Schöpfer, der vorher ein Wehrmachtshelm war, und eine Bettdecke, die eine wandernde Näherin nach dem Krieg aus Schulterklappen von Uniformen für ihren Sohn hergestellt hat. „Das zeigt so viel“, erzählt sie. „Der Mangel in der damaligen Zeit und die Kreativität der Menschen.“ So etwas wird natürlich nicht weggegeben.
Aussortierte Objekte bietet der Jexhof zunächst Museen, Vereinen und Interessierten an. Auch Privatpersonen können sich auf die Interessenten-Liste setzen lassen. Findet sich kein Käufer, wird das Stück auf dem Flohmarkt verkauft. „Die Preise sind verhandelbar“, sagt Schreiner. „Wir sind froh, wenn die Teile wieder eine Verwendung finden.“
Der Flohmarkt
findet am Samstag von 13.30 bis 15.30 Uhr im Jexhof-Depot, Boschstraße 2, Unterschweinbach, statt. Es gilt Maskenpflicht. Eine Liste mit allen Objekten gibt es unter www.jexhof.de.