Gerät unsere bairische Sprache, in der wir jahrhundertelang barfuß gegangen sind, zunehmend in Gefahr, zu verflachen, verfälscht und ausgedünnt zu werden? Sind die altvertrauten Laute, die wir Generation um Generation gleichsam wie Muttermilch eingesogen haben, nicht mehr zeitgemäß, computergerecht, schul- und medienwürdig? Passt dieses vermeintlich unverwüstliche Sprachkleid, das speziell für uns, und nur für uns, geschneidert worden ist, nicht mehr in das zusammenwachsende Europa, muss es an allen Ecken und Enden ausgebessert und modernisiert werden? Nicht wenige sagen Ja, und manche, die empört Nein sagen, haben längst stillschweigend ihre Zugeständnisse gemacht. Es tut weh, bayerische Kinder selbst im großstadtfernen Dorf fernsehdeutsch schwätzen zu hören. Dass es einen Förderverein für die Erhaltung der bairischen Sprache gibt, geben muss, sagt einiges über ihren Zustand.
Heimat, das ist nicht nur Elternhaus, Land der Kindheit, einbezogen sein in vertraute Umwelt, auch Rhythmus und Klang der Sprache gehören dazu. Wer darauf verzichtet, macht sie ärmer und kälter, schneidet die Wurzeln zur Vergangenheit ab, untergräbt unser Selbstverständnis, unsere Identität. Wenn die bairische Sprache verstummt, ist Bayern zwar immer noch auf der Landkarte präsent, aber unser Bayern wird es nicht mehr sein.
Sprache hat sich zu allen Zeiten gewandelt, sonst würden wir heute noch wie in Tassilos Tagen sprechen. Aber die Schübe erfolgten langsam und behutsam. Was heute eingetreten ist, ist nicht nur rapider Substanzverlust, sondern die Umlautung unserer Mundart, der ein neues, fremdes Tongefälle übergestülpt wird.
Vieles, was den Alten auf dem Dorf noch wohlvertraut ist, Kindern und Enkeln in der Stadt ist es längst entglitten. Und die bange Frage mag erlaubt sein: Wie wird es in weiteren fünfzig Jahren ausschauen, wie mag sich das Bairische, selbst auf dem Dorf, dann anhören?
An dieser Stelle schreibt unser Turmschreiber