Wohnen in Ostern. Im Ostallgäu ist das tatsächlich möglich. Denn dort ist Ostern mit seinen 20 Einwohnern ein Teil der Gemeinde Halblech. Einer der Bewohner ist Josef Köpf, dessen Familienhof bereits seit über 500 Jahren dort ansässig ist. Auf dem Scheremecheler-Hof lebt er allein mit seinen beiden Pferden „Sepp“ und „Luke“ sowie 15 Katzen. Und der 62-jährige Rentner denkt nicht die kleinste Spur daran, wegzuziehen.
Herr Köpf, was zeichnet den Ort Ostern für Sie aus? Was macht ihn so schön?
Ich wohne auf der Südseite, da ist es jedes Mal wieder ein wunderschöner Anblick, wenn in der Früh die Sonne aufgeht. Dann fallen die ersten Strahlen direkt auf meinen Hof. Und das hier ist in ganz Deutschland der einzige Ort, der diesen Namen trägt.
Gibt es dank des ungewöhnlichen Namens viele Besucher?
Ich wurde schon öfter darauf angesprochen, wenn die Leute vorbeifahren. Seit es Navigationssysteme für das Auto gibt, fahren unvorstellbar viele Leute vorbei, da es eine Abkürzung zum Schloss Neuschwanstein ist. Viele machen dann Fotos vom Schild, aber bis jetzt wurde es Gott sei Dank noch nie geklaut oder beschädigt.
Würden Sie sich denn gerne umbenennen?
Nein, wir tragen den Namen gerne und mit Würde.
Was sollte man sich unbedingt ansehen, wenn man mal in Ostern ist?
Auf meinem Hof gibt es eine Hauskapelle. Wir wohnen ja auf einem Hügel, wenn man in der Kapelle von oben hinunterblickt, sieht man weit übers Land bis hin zur Wallfahrtskirche, der Wieskirche.
Hat das Dorf Ostern irgendwelche besonderen Ostertraditionen?
Die Glocke in der Hofkapelle, die sonst wenig zum Einsatz kommt, wird am Ostersonntag immer um 6 Uhr morgens geläutet. Und wenn ich sehe, dass kleine Kinder unten am Hügel entlanggehen, lasse ich ein paar Schokoeier herunterlaufen.
Interview: Raffael Scherer