Grainau – Eine vage Hoffnung besteht, aber sie schwindet. Womöglich hat die Sturzflut, die oberhalb der Höllentalklamm (Kreis Garmsich-Partenkirchen) alle überraschte, zwei Menschen in den Tod gerissen. Eine leblose Person konnte gestern gegen 8.30 Uhr gefunden werden – die Leiche der Frau war durch die ganze Klamm geschwemmt worden, ehe sie etwa 200 Meter unterhalb des Klammeingangs an einem Stein hängen blieb, wie Einsatzkräfte berichten. Die Identität der Frau konnte noch nicht geklärt werden, Dokumente wurden bei ihr nicht gefunden. Retter der Canyoning-Gruppe von Bergwacht und Polizei bereiteten daraufhin ihren Einsatz vor und bargen die Leiche aus dem Wasser.
Damit war die Suche für die 165 Einsatzkräfte gestern aber noch nicht beendet: Denn es gibt Berichte über eine zweite Person, die ebenfalls von der Sturzflut mitgerissen worden sein soll. Meldungen von Angehörigen, die jemanden vermissen, gibt es allerdings nicht.
Vielmehr müssen sich die Retter ausschließlich auf Berichte von Augenzeugen verlassen: Das sind sechs Personen, die am Montag spätnachmittags nahe dem Ausgang der Klamm unterwegs waren und unverletzt gerettet werden konnten. Sie wurden ausführlich befragt. Demnach gehen die Rettungskräfte davon aus, dass neben der tot aufgefundenen Frau noch eine zweite Person – Mann oder Frau, das ist unbekannt – auf dem Holzsteg stand, als dieser weggespült wurde.
Mit Drohnen und Helikoptern wurden der Hammersbach und die Loisach bis Oberau kilometerweit abgesucht. „Die Hubschrauber flogen bis zum Kochelsee“, berichtet Hans Steinbrecher, der Grainauer Einsatzleiter des BRK. Gegen 16.30 Uhr wurde die Suche wegen schlechter Witterung vorläufig unterbrochen. Alle möglichen Winkel seien mehrfach abgesucht worden, jedoch ohne Erfolg, sagte ein Polizeisprecher. Sollte sich die Person noch in der Klamm befinden, gebe es angesichts der seit dem Unglück verstrichenen Zeit und der großen Wassermassen wenig Hoffnung, sie lebend zu finden.
Relativ routiniert verlief zuvor ein weiterer Einsatz am Höllental: Nach dem Unwetter hatten Einsatzkräfte verfügt, dass alle Wanderer oberhalb der Klamm in der Höllentalangerhütte übernachten müssten. Sieben Personen verbrachten die Nacht am Berg in den nahe gelegenen Knappenhäusern – benannt nach den Unterkünften ehemaliger Bergarbeiter. Gegen 5 Uhr in der Früh wurden insgesamt 108 Personen nach und nach durch die Klamm ins Tal geführt und mit Mannschaftswagen der Bergwacht zum Kurhaus Grainau transportiert. Dort wurden sie registriert und befragt. Zu den vermissten Personen gab es allerdings keine neuen Erkenntnisse.