Hätte man die Klamm sperren müssen?

von Redaktion

Grainau – Stephan Märkl wurde schon am Montagabend deutlich: „Gegen 14 Uhr war der Wanderparkplatz in Hammersbach noch zu zwei Dritteln gefüllt“, wunderte sich der Bürgermeister von Grainau – und das trotz der Wettervorhersage. In der Tat: Der Deutsche Wetterdienst hatte in der Nacht zum Montag eine Vorabinformation für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit der Möglichkeit von bis zu 40 Litern Regen pro Quadratmeter und Stunde herausgegeben. Im Laufe des Montagnachmittags wurde vor starken Regenfällen und Gewittern mit geringeren Regenmengen von bis 25 Litern gewarnt. Wie konnte es da passieren, dass viele Wanderer unterwegs waren?

Diese Frage stellen sich auch einige Urlauber. „Es gab Unwetterwarnungen“, sagt einer von ihnen der Nachrichtenagentur News5. „Man macht sich doch vorher Gedanken, ob man da hochgehen muss. Ich wär’s nicht.“ Die Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen eingeleitet, um zu prüfen, ob eine Straftat im Raum steht, wie die Sprecherin der Behörde, Andrea Mayer, berichtet. Im Raum stehe der Verdacht der fahrlässigen Tötung. Gegen konkrete Personen richteten sich die Überprüfungen bisher aber nicht.

Thomas Bucher ist Sprecher des Deutschen Alpenvereins. Die DAV-Sektion Garmisch-Partenkirchen hat in der Klamm die Verkehrssicherungspflicht, hält Wege und Brücken instand. Sie kassiert an der Höllentaleingangshütte im Tal auch Eintritt (Erwachsene fünf Euro, DAV-Mitglieder zwei Euro) – wenn diese besetzt ist. Und hier weise der Kassierer deutlich darauf hin, wenn sich ein Unwetter anbahnt. „Das hat er am Montag mit Sicherheit auch getan“, sagt Bucher.

Von Ende Oktober bis in den Mai hinein ist die Klamm immer geschlossen – denn sie liegt zwischen zwei Gebirgskämmen, immer wieder donnern Lawinen in die Schlucht. Im Frühjahr und Sommer ist die Klamm 24 Stunden am Tag geöffnet. Sperren würde man die Klamm mithilfe von Schildern in dieser Zeit nur, wenn die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet ist, sagt Bucher. So ein Fall tritt ein, wenn die Brücken beschädigt sind (wie es nach dem Unwetter nun der Fall ist). Die Sperrung sei aber nur eine Empfehlung. „Die Klamm ist kein Freizeitpark, zu dem ich einfach ein Tor zumache.“

Das geht auch deshalb nicht, weil viele Wanderer von oben kommen und durch die Klamm ins Tal steigen. Auch aus Rettungsgründen müsse die Klamm jederzeit zugänglich sein. Die zweite Route Richtung Höllentalangerhütte über den (für Ungeübte nicht empfehlenswerten) Stangensteig ist ohnehin immer zugänglich.

Hinzu kommt: Die Unglücksstelle, an der der hölzerne Steg von der Flut weggerissen wurde, liegt oberhalb des Klammausgangs. „Hier stellt sich die Sperrfrage gar nicht“, sagt Bucher. Für den BRK-Einsatzleiter Hans Steinbrecher ist so ein punktuelles Starkregenereignis unvorhersehbar. „Da kann man meiner Meinung nach keinem Menschen irgendeine Schuld geben.“ Thomas Bucher vom DAV ist noch etwas wichtig: Tourenplanung sei das A und O. „Und dazu gehört vor allem zu schauen: Welches Wetter erwartet mich?“ CHRISTIAN FELLNER

VERONIKA MAHNKOPF

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