2G in Jugendzentren: Viele Teenager ausgeschlossen

Jugendring-Präsident kritisiert neue Regelung: „Viele Treffen verlagern sich ins Private“

München – Es gibt etwas, das Matthias Fack zur Zeit noch mehr Sorgen bereitet als Infektionszahlen oder neue Virus-Mutationen: die Situation vieler Kinder und Jugendlicher. Als Präsident des Bayerischen Jugendrings ist er in engem Austausch mit vielen Jugendarbeitern und Fachkräften. „Die Depressionen und Ängste nehmen rapide zu“, berichtet er. Er ist überzeugt, dass die Jugendarbeit vieles auffangen könnte – wenn bei den Jugendhäusern und Treffpunkten nicht eine strenge 2G-Regel gelten würde. Vor ein paar Wochen galt noch 3G, berichtet er. Das habe gut funktioniert, alle Jugendzentren hatten Hygienekonzepte ausgearbeitet, an die sich die Jugendlichen hielten. Seit der neuesten Infektionsschutzverordnung seien viele aber ausgeschlossen, weil sie noch keinen Impftermin haben. „Jüngere Geschwister dürfen an Angeboten teilnehmen, Über-Zwölfjährige müssen wir wieder heimschicken, wenn sie noch nicht zweifach geimpft sind“, berichtet Fack. Andere Jugendliche würden nicht mehr kommen, weil ihre Freunde noch nicht geimpft sind und damit nicht ins Jugendzentrum dürfen. Viele Treffen würden deshalb im privaten Bereich stattfinden, fürchtet Fack. „Dann aber ohne Tests, ohne Masken und ohne Hygienekonzept.“

Auch andere Jugendarbeiter beobachten das mit großer Sorge. „Viele Jugendliche sind seit anderthalb Jahren komplett haltlos“, sagt Rudi Mühlhans aus Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). „Und jetzt werden sie auch noch aus dem Jugendhaus ausgesperrt, wo sie ihre Freunde treffen oder der Situation zu Hause entfliehen könnten.“ Im Jugendhaus La Vida in Wolfratshausen waren früher meist 40 Jungs und Mädchen zu Besuche, um gemeinsam Musik zu hören oder Billard zu spielen. Aktuell sind es über den ganzen Tag verteilt etwa vier, berichtet Leiter Max Aichbichler. „Oft kommen Jugendliche, die Anschluss suchen, die Gesellschaft brauchen oder über Probleme reden möchten, die sie allein nicht lösen können. Wenn die dann im leeren Jugendhaus stehen, wirft sie das zurück“, betont er.

Die Teenager-Zeit ist eine sehr wichtige Phase, betont BJR-Präsident Fack. „Das ist das Alter, in dem Jugendliche ihren Platz im Leben suchen, das soziale Interagieren lernen, das Miteinander in Gruppen.“ Gerade in der Corona-Zeit seien es die Jugendarbeiter, die ihnen Stabilität geben würden. Nun haben sie das Problem, dass sie nicht mehr alle erreichen können. Fack kann nicht nachvollziehen, warum für die Jugendarbeit 2G gilt. „Wir stehen schließlich nicht mehr am Anfang der Pandemie, wir können testen und haben funktionierende Hygienekonzepte. Viele Jugendzentren haben ihre Angebote auch ins Freie verlegt, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Auch die neue Regelung, nachdem nicht geimpfte und nicht genesene Schüler den ÖPNV in den Ferien nur noch mit Testnachweis nutzen dürfen (wir berichteten), kritisiert Fack scharf. „Das ist ein Wahnsinn, gerade für Jugendliche auf dem Land kann das schnell Isolation bedeuten.“ Und damit würden viele Kinder und Jugendliche überhaupt nicht klarkommen. Die 2G-Regel bedeute für die Jugendarbeit eine Rolle rückwärts, betont Fack. „Es wird schwer, das wieder aufzuholen, was jetzt verloren geht.“ Für einen Zwölfjährigen seien zwei Jahre Pandemie ein Sechstel des gesamten Lebens und damit viel gravierender als für einen Erwachsenen, betont er. „Kinder und Jugendliche haben noch wenig Erfahrung mit Krisen, ihre Sorgen und Ängste sind jetzt riesengroß.“ Er hofft, dass die Jugendarbeit in Bayern davon im kommenden Jahr wieder mehr auffangen kann. KATRIN WOITSCH DOMINIK STALLEIN

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Samstag, 11. Juli 2026
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