Das Jubiläumsjahr ist vorbei, jetzt stellt sich die Frage: Was bleibt – im 51. Jahr nach den Olympischen Sommerspielen 1972 in München?
Zum Beispiel ein Katalog, der soeben erschienen ist und einen der Überlebenden des Attentats von 1972 würdigt. Der israelische Geher Shaul Ladany ist ein Überlebender des Holocaust und des Attentats am 5. September 1972, als er dem palästinensischen Terrorkommando knapp entkam. So viele schreckliche Situationen wie er hat kaum ein Mensch ertragen – und gemeistert. Sein Lebenslauf wird in einer Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen (Niedersachsen) dargestellt, denn in dem Lager war der Junge interniert. Der nun erschienene Katalog ist jedoch so aufbereitet, dass ihn auch Lehrer in Bayern zum Unterricht nutzen können.
Ladany wurde 1936 in Belgrad geboren. Nach dem deutschen Überfall auf Jugoslawien musste der Bub mit seinen Eltern Dionis und Sofija und den beiden Schwestern Zuzi und Marta nach Ungarn fliehen. 1944 holte sie der Nationalsozialismus wieder ein, denn auch dieses Land wurde besetzt. Sogleich begann eine mörderische Judenverfolgung. Mehrere Familienangehörige, etwa Ladanys Großmutter, wurden ermordet. Die Ladanys überlebten nur deshalb, weil ihnen ein Schweizer Diplomat einen sogenannten Schutzpass ausstellte und vor der Deportation nach Auschwitz rettete. So gelangten sie erst in ein Sonderlager in Bergen-Belsen und im Dezember 1944 in die Schweiz. Das war die Rettung vor dem Tod, wenngleich sie von den Schweizer Behörden schikaniert und zum Auswandern gedrängt wurden. 1948 emigrierten sie nach Palästina, wo er Maschinenbau studierte und es bis zum Professor brachte. Doch seine Leidenschaft war das 50-Kilometer-Gehen – beim Wettbewerb am 4. September 1972, einen Tag vor dem Attentat, errang er den 19. Platz. In seinem Haus in Beersheva hütet Ladany heute tausende Dokumente, Briefe, Fotos, Berichte. Er will alles archivieren für die Nachwelt. Der Katalog leistet dazu einen Beitrag. DIRK WALTER
Lebensläufe
Shaul Ladany. Pädagogische Handreichungen der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Wallstein Verlag, 25 Euro