Bild aus lauteren Zeiten: (v.li.) Landtagspräsidentin Ilse Aigner, der frühere Bundespräsident Joachim Gauck, Wolfram Weimer, Ministerpräsident Markus Söder (CSU) 2022. © dpa
München – Wer dieser Tage die Internetseite des Ludwig-Erhard-Gipfels besucht, findet ein ausführliches Programm für die drei Tage Ende April. Gmund am Tegernsee werde wieder zum „deutschen Davos“, so der Plan, „Deutschlands Meinungsführertreffen“ werde das wieder. Auf den Tagesordnungen stehen „Keynotes“, „Impulse“, „Finance Talks“ und „Klartext“. 128 Speaker sind angekündigt. Doch nicht genannt wird, wer sie sind.
Das war früher anders. 2025 warb die veranstaltende Weimer Media Group noch offensiv mit geballter Prominenz. Auch wenn sich nicht alle im Vorfeld angekündigten Entscheidungsträger am Ende auf Gut Kaltenbrunn am Seeufer wiederfanden, tauchten auch im finalen Programmheft explizit wichtig klingende Politiker auf. Minister, Bundestagspräsidenten, ein ehemaliger Bundespräsident und viele mehr.
Und dieses Jahr? Hunderte Teilnehmer würden wieder erwartet, versichert der Veranstalter. Das Netzwerk-Treffen von 28. bis 30. April setzt nun mehr auf Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft als auf politische Zugpferde. Titel: „Zurück an die Weltspitze. Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“. Ein neues Format zielt zudem auf den „wichtigen Schwerpunkt Gesundheit“ ab. Die Rednerliste reiche „von der Unternehmerlegende bis zum Startup-Star, vom Sporthelden bis zur Politikergröße, vom Wissenschafts-Guru bis zum Chefredakteur“. Namen bleiben auch auf Nachfrage vertraulich.
Dafür gibt es Gründe. Denn nicht wenige der erhofften Zugpferde sind abgesprungen. Wer noch kommt, will sich im Vorfeld ungern öffentlichen Debatten stellen nach dem Gipfel-Wirbel der vergangenen Monate. Oder sich anfeinden lassen, unter anderem aus rechtspopulistischen Kreisen, die beim Gipfel stets unwillkommen sind. Hintergrund des Ärgers waren Berichte, wonach die Weimer Media Group Unternehmen gegen Geld exklusiven Zugang zu Ministern bieten und dabei mit „Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger“ geworben haben soll.
Die Vorwürfe waren pikant, denn Mitgründer der Weimer Media Group ist Wolfram Weimer, Kulturstaatsminister und enger Freund von Kanzler Merz. Nach dem Eintreten in die Bundesregierung hatte er zunächst nur seine Funktionen und Stimmrechte im Verlag abgegeben. Erst später übertrug er seine Firmenanteile von 50 Prozent einem Treuhänder, seine Ehefrau Christiane Goetz-Weimer hält weiter 50 Prozent. Weimer sah sich deshalb dem Vorwurf ausgesetzt, er trenne Amt und Firma nicht sauber. Die Weimer Media Group weist jegliche Vorwürfe zurück. Für die Staatsregierung war das dennoch Grund genug für eine interne Überprüfung.
In der Folge kippte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Staatsempfang seiner Regierung für den Gipfel. Er gab seine Schirmherrschaft zurück und sagte die Gipfel-Teilnahme ab, begleitet von schroffen Worten über „politische Hygiene“. Zahlreiche weitere Politiker folgten – SPD-Chef Lars Klingbeil, Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU). Auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die 2025 am Tegernsee damit kokettierte, zum elften Mal dabei zu sein, hat dem „Spiegel“ zufolge abgesagt.
Einen neuen Schirmherrn? Gibt es nicht. Trotz allem: Ganz ohne Politik muss der Gipfel nicht auskommen. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat für ein Grußwort und ein Panel zugesagt. Der Gipfel warb in den letzten Monaten zudem mit Auftritten von Staatssekretär Philipp Amthor, Ex-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, dem Wehrbeauftragten Henning Otte, Ifo-Chef Clemens Fuest, Ex-Deutsche-Bank-Chef Paul Achleitner, Österreichs Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel und Fußballer Matthias Sammer. Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) wird als Besucherin erwartet, wenn auch nicht als Rednerin. Sie ist die lokale Abgeordnete.SEBASTIAN HORSCH, CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER