Viel Stein, wenig Wasser: Stand-up-Paddlerinnen gestern am Percha Beach am Starnberger See, dessen Wasserstand aktuell sehr niedrig ist. © Andrea Jaksch
München – Bayern erwartet Höchsttemperaturen von über 40 Grad. An manchen Flüssen und Seen wird die Lage langsam kritisch. „Aktuell zeigen 88 Prozent der Fließgewässermessstellen sowie 75 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen sowie Quellen niedrige Verhältnisse“, meldet der Niedrigwasser-Lagebericht des Landesamts für Umwelt. Dieser stammt vom vergangenen Freitag, mittlerweile gehen die Pegel vieler Flüsse Tag für Tag weiter zurück. Auch die Wassertemperaturen steigen. Wie bedrohlich ist die Lage?
Andreas Kolbinger, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamts Weilheim, beruhigt: „Man muss es beobachten, im Moment droht aber kein Fischsterben. “ So war die Ammer bei Weilheim am Mittwoch 24,2 Grad warm, auch die 16,2 Grad der Loisach bei Eschenlohe hält Kolbinger bei einem Gebirgsfluss für ungewöhnlich. Der Starnberger See ist mit 25,9 Grad, gemessen am Ausfluss der Würm nahe Seglerhafen Starnberg, sozusagen bacherlwarm.
Während die Temperaturen steigen, geht die Wassermenge zurück. Schon seit Wochen bekommt die Isar durch den Sylvensteinspeicher eine gesteigerte Frischwasserzufuhr. Aktuell beträgt der Zufluss in den Stausee je Sekunde sieben Kubikmeter, der Abfluss in die Isar jedoch 14 Kubikmeter. Für Kolbinger ist das wenig verwunderlich. „Wir haben einen trockenen Winter gehabt, das trockenste Frühjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, und jetzt gibt es Rekordhitze.“ Allerdings: Noch ist der Sylvensteinspeicher im Normalbereich, der Wasserstand hat noch nicht einmal die niedrigste Warnstufe erreicht. „Der hat noch gut Reserven“, sagt Kolbinger.
Eine ganze Reihe von Pegeln melden Wasserstände der Kategorie „sehr niedrig“, so etwa die Amper bei Stegen und in Fürstenfeldbruck oder auch der Strogen bei Appolding (Kreis Erding). Die Würm (Pegel Leutstetten) und die Isar sowohl bei Lenggries als auch in München haben hingegen nur „niedrige“ Wasserstände. Ähnlich die Lage weiter östlich im Einzugsgebiets des Inn. Der Fluss selbst hat kein Niedrigwasser, aber eine Reihe von Zuflüssen, etwa die Mangfall oder die darin mündende Glonn am Pegel Beyharting (Kreis Rosenheim). Die Rott bei Ruhstorf (Kreis Passau) erreichte sogar einen neuen Niedrigstwert – quasi ein Negativrekord. Kleinere Bäche („Gewässer dritter Ordnung“) sind schon ausgetrocknet, etwa der Gröbenbach bei Puchheim und (fast) der Starzelbach. Der Starnberger See und der Ammersee führen einen Wasserstand, der als „sehr niedrig“ eingeschätzt wird. Allerdings gebe es auch hier „keine Extremwerte“, sagt Kolbinger. Weiter östlich führen Simssee und der Waginger See sehr niedrige Wasserstände, der Chiemsee indes nicht. Auch am Tegernsee geht der Wasserstand langsam zurück – etwa ein Zentimeter pro Tag derzeit. Aber Stefan Herbst, Betriebsleiter der dortigen Seenschifffahrt, gibt Entwarnung. „Es ist tatsächlich sehr niedrig, aber nicht außergewöhnlich.“ Mehr Sorgen bereitet ihm ein anderes Phänomen: „An den Anlegestellen haben wir ein Problem, weil der See voll mit Badenden ist.“DIRK WALTER