Ameisen zum Kochen bringen

von Redaktion

Wie eine bayerische Gemeinde gegen eine Superkolonie kämpft

Heißes Wasser soll in Hösbach die Drüsenameise vertreiben. © Markt Hösbach, Deck/pa

Hösbach – Sie ist gerade mal 2,5 bis fünf Millimeter klein, verbreitet aber großen Schrecken: Die aus dem Mittelmeerraum stammende Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) bildet gigantische und zerstörerische Superkolonien und breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Mittlerweile ist sie in Bayern angekommen.

Seit einem Jahr werden die tiefschwarzen Krabbler in Hösbach bei Aschaffenburg bekämpft. Zum Einsatz kommt ein brandneues Gerät, mit dem kochendes Wasser in Gänge und unterirdische Brutstätten gesprüht wird. Er sei sehr dankbar, sagt der Bürgermeister des Marktes, Frank Houben (CSU), dass der Gemeinderat die benötigten 30.000 Euro sofort bewilligt habe. So konnte die Invasion der Ameisen eingedämmt werden. Doch obwohl nun täglich ein Bauhofmitarbeiter auf dem Friedhof und den umliegenden Straßen die Nester zum Kochen bringt, sei es zweifelhaft, ob die Einwanderer auf sechs Beinen für immer das Weite suchen.

Eingeschleppt wurde die gefräßige Drüsenameise, auf deren Speiseplan überwiegend andere Insekten, Spinnen und sogar Schnecken stehen, mit dem Blumen- und Pflanzenhandel. 2009 wurde die erste Superkolonie in Deutschland entdeckt: auf dem Gelände einer Baumschule in Ingelheim am Rhein. Bis 2016 gab es fünf Kolonien in verschiedenen Städten, seitdem gibt es immer mehr Meldungen, vor allem aus Hessen und Baden-Württemberg. Über die Situation in Bayern ist wenig bekannt, es gibt keine Meldepflicht. In der Karte des Tapinoma-Projekts des Naturkundemuseums Karlsruhe sind drei weitere Fundorte in Franken verzeichnet.

Heimische Ameisen haben gegen die Superkraft der Masse keine Chance: Die Drüsenameise leistet sich nicht nur eine Königin, dort wird der Staat von hunderten Königinnen mit Nachwuchs versorgt. Die angerichteten Schäden sind ebenfalls gigantisch: Die Kolonien können mehrere Hektar groß werden, der Bau der Nester untergräbt Bürgersteige oder Grabsteine. Auch Stromkästen und sogar Fundamente unter Häusern werden besiedelt. Zu erkennen, und so fielen sie auch in Hösbach auf, sind sie an ihren mehrspurigen Ameisenstraßen. „Wahre Ameisen-Autobahnen“, sagt Bürgermeister Houben. Markant auch die großen Haufen aus Sand und Erdreich, die die Insekten aus ihren Bauten an die Oberfläche tragen und die oft eher Maulwurfshügeln gleichen. Bei Gefahr verströmen die Tiere einen beißenden Geruch nach Aceton.

Der Einsatz von Giften hat sich bei der Bekämpfung als kaum wirksam erwiesen. Die besten Ergebnisse gibt es mit heißem Wasser, so wird auch in der Stadt Kehl seit mehreren Jahren vorgegangen. Dort war ein Spielplatz von einer Superkolonie unterwandert worden. In anderen Orten hat sich zusätzlich ein Kontaktgift auf Gel-Basis bewährt. Am einfachsten ist es, wenn die Besiedlung im Frühstadium erkannt wird. So wurde in Zürich eine Besiedlung durch Gift gestoppt.SUS

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