Großeinsatz am Schulhof: Einsatzkräfte in Schongau nach der Gewalttat. © Jäger
Der Tatort: Das Welfen-Gymnasium in Schongau. Ein 16-Jähriger griff hier mehrere Jugendliche an. © Hans-Helmut Herold
Ein Rettungswagen fährt vorbei am Ortsschild zum Welfen-Gymnasium in Schongau. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Schwer bewaffnet: Einsatzkräfte vor dem Schongauer Schulgebäude. © Olivier Feniet/AFP
Schongau – Bewaffnete Spezialkräfte, Hubschrauber am Himmel, überall Blaulicht: Am Schongauer Schulzentrum herrscht am Mittwochnachmittag Ausnahmezustand. Schockierte Eltern gehen auf die Einsatzkräfte zu. Sie wollen wissen: Was ist passiert? Und wie geht es unseren Kindern?
Eine mutmaßliche Amoktat erschüttert am Mittwoch die Menschen im Pfaffenwinkel. Im Lauf des Tages wird klar: Gegen 12.50 Uhr, noch während des laufenden Schulbetriebs, ist es zu einer schweren Gewalttat am Welfen-Gymnasium gekommen. Zwei 13-jährige Schülerinnen wurden schwer verletzt.
Der mutmaßliche Täter: ein 16-Jähriger. Er wird bei dem Großeinsatz der Polizei festgenommen. Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) war der Jugendliche mit einem Messer und einer Pistole bewaffnet. Tatwaffe sei das Messer gewesen. „Der Täter hat sich dem Gymnasium mit einer Schusswaffe genähert und hat einen Schuss abgegeben, der niemanden verletzt hat“, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Abend vor Ort. „Anschließend hat die Schusswaffe versagt, sodass keine weiteren Schüsse abgegeben werden konnten.“ Dann habe der Täter ein Messer gezogen. Lehrkräfte und Einsatzkräfte hätten ihn wenig später überwältigt und gestoppt.
Bei dem 16-Jährigen handelt es sich laut Dobrindt um einen ehemaligen Schüler des Gymnasiums. „Er ist ausländischer EU-Bürger, kein Fluchthintergrund“, hieß es weiter. „Die beiden Mädchen sind nach unserer Einschätzung zufällige Opfer, die in dem Moment in seine Schreckensbahn gekommen sind. Wir gehen von einer Amoktat eines Einzeltäters aus.“ Es habe sich wahrscheinlich um eine „psychische Ausnahmesituation“ gehandelt. Der Tatverdächtige sei in Behandlung gewesen. „Die Ermittlungen laufen, der Täter ist in U-Haft“, so Dobrindt. Der Innenminister sprach von einer „schrecklichen und irrsinnigen Tat“.
So lief der Großeinsatz für die Menschen vor Ort ab: Als der Alarm anläuft, werden die Schüler an unterschiedlichen Orten in Sicherheit gebracht. Etwa in der Aula der benachbarten Realschule. Die Menschen im Ort werden aufgerufen, das Areal zu meiden. Für Angehörige und Eltern wird eine Anlaufstelle am Feuerwehrhaus eingerichtet. Noch während Polizisten das Schulgelände durchsuchen, um auszuschließen, dass es weitere Täter geben könnte, kommt aus der Klinik eine gute Nachricht: Die beiden schwer verletzten Mädchen, von denen eines mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gekommen war, schweben am Nachmittag nicht mehr in Lebensgefahr.
Die Polizei ermittelt nun zum Motiv des Täters – in alle Richtungen, wie es heißt. Geprüft wird auch, ob ein Zusammenhang mit einer Amokdrohung gegen die Schule zum Jahreswechsel besteht. Herrmann sagte, möglicherweise sei der 16-Jährige in der Vergangenheit durch Drohungen aufgefallen.
Schongaus Bürgermeister Thomas Schleich traf am Nachmittag vor Ort ein. Er befand sich gerade bei der Städtetags-Vollversammlung in Landshut, als er von der Tat erfuhr. „Es ist schwer vorstellbar, dass so etwas in Schongau passiert“, sagte er unserer Zeitung. Zwei seiner Kinder besuchen das Gymnasium beziehungsweise die Mittelschule.
Dobrindt bedankte sich am Mittwochabend bei allen Einsatzkräften und Lehrkräften. 150 Polizeikräfte waren im Einsatz. „17 Minuten nach der Alarmierung war der Täter überwältigt. Ich bin tief beeindruckt, wie hier Schüler, Einsatzkräfte und Lehrkräfte agiert haben.“ Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußerte sich zu der Tat. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Verletzten der Amoktat von Schongau. Solch eine schreckliche Tat reißt nicht nur sichtbare, sondern auch viele unsichtbare Wunden. Die Heilung der Seelen wird lange dauern.“ Der Ministerpräsident lobte ebenfalls das schnelle und entschlossene Eingreifen. „Dieses Miteinander, gerade in Notsituationen, zeichnet unser Land aus.“ANDREAS JÄGER UND CHRISTIANE MÜHLBAUER