Gegen die Bohrungen in Reichling wurde protestiert. Aiwanger suchte das Gespräch. © aj
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger machte Selfies auf der MS Utting. © dpa
Stegen – Der Ammersee ist ein guter Wärmespeicher. Die Seethermie kann den Wärmebedarf der acht Anrainergemeinden decken, wie eine Untersuchung des Ökoeniergie-Instituts Bayern am Landesamt für Umwelt ergeben hatte. Sie war vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegeben worden, gestern stellte Minister Hubert Aiwanger (FW) an Bord der MS Utting in Stegen die Ergebnisse vor.
Bislang habe der Freistaat die Seethermie-Technologie nicht so sehr im Blick gehabt, räumte Aiwanger ein. Sie funktioniert so: Das Seewasser wird zu einer Entnahmestation gepumpt, wo dessen Wärme über Wärmetauscher auf einen geschlossenen Kreislauf übertragen wird. Wärmepumpen heben anschließend die Temperatur auf die benötigte Gradzahl an. Das Seewasser fließt danach um drei bis fünf Grad kälter wieder zurück in den See. Die gewonnene Wärme kann über entsprechende Netze den Anwohnern zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt sieht das Landesamt für Umwelt ein Potenzial von 1,2 Terawattstunden pro Jahr. Das wären etwa 0,7 Prozent des Wärembedarfs im Freistaat – die Seethermie ist damit „ein neues Kapitel der Energiegewinnung, das bayernweit Relevanz hat“, betonte Aiwanger. Der Ammersee sei das Pilotprojekt.
Der See besitzt ein thermisches Potenzial von rund 339 Gigawattstunden pro Jahr, die Anrainerkommunen benötigen etwa 277 Gigawattstunden. Die Baukosten für eine Energiezentrale würden rund zwölf Millionen Euro betragen. Bei der Finanzierung müsste der Freistaat helfen. Die Wärmenetze könnten über Bürgermodelle finanziert werden.PETER SCHIEBEL