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Verkehrs-Visionen für Olympia

Teures Vorhaben: Die U29 könnte in einem ersten Teilstück vom Harras bis zur Theresienstraße führen. Der stillgelegte Olympia-Bahnhof (Foto oben) und eine Tram durch den Englischen Garten sind nicht Teil der Planungen. © MVG, Schlaf

S-Bahn-Nordring: Für die Stadt ist es „eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte des Münchner Olympiakonzepts“, wie die Stadtverwaltung erst im Mai betont hat. Nordring heißt: eine West-Ost-Schienenverbindung im Norden der Stadt, um das geplante Olympische Dorf (und den danach geplanten neuen Stadtteil) im Raum Englschalking/Daglfing zu erschließen. Die denkbare Route führt von Karlsfeld, wo Anschluss zur S2 besteht, über die bestehende Güterzugstrecke bis zum S-Bahnhof Englschalking.

Ein Problem: Die DB InfraGo plant bisher nur eine Pendel-S-Bahn zwischen Karlsfeld und den Stationen BMW-FIZ (Forschungszentrum) und Euroindustriepark, die freilich beide noch gebaut werden müssen. Die Planungsleistungen sind inzwischen vergeben, sagt ein Bahnsprecher. Auch am Bahnhof Karlsfeld müsste ein weiterer Bahnsteig entstehen. „Die Idee ist nicht durchdiskutiert“, sagt Andreas Frank von Pro Bahn. Die Stadt hat vorgeschlagen, am Nordring Höhe Lassallestraße einen weiteren Halt zu bauen, um das Olympiagelände von Norden her an die S-Bahn anzuschließen. „Somit könnte während der Olympischen Spiele eine Olympic Lane auf Schienen hergestellt werden.“ Die Kostenschätzungen belaufen sich auf mehrere hundert Millionen Euro. Hauptbahnhof: Er muss Olympia-tauglich werden. Das geht zur Gänze erst, wenn die 2. Stammstrecke gebaut ist, da der unterirdische Stammstrecken-Bahnhof Teil des neuen Hauptbahnhofs wird. Die 2. Stammstrecke soll zwischen 2035 und 2037 fertig werden, der Hauptbahnhof nach Angaben der Deutschen Bahn 2038 (wir berichteten) . Aber auch von 2039 war schon zu lesen. Derzeit entsteht für zehn Jahre ein immerhin 20 Millionen Euro teurer, schmuckloser Interimsbahnhof in Betonbauweise am Hbf-Südausgang – undenkbar, dass das die Eintrittspforte für Millionen von Besuchern während der Spiele wird. Olympia-Bahnhof: Für die Spiele 1972 entstand ein eigener Bahnhof, der vom Nordring abzweigte. Er ist seit 1992 stillgelegt, die Gleisanlagen teilweise abgebaut. Im Konzept der Stadt ist eine Reaktivierung bisher nicht geplant. U4: Ein Streitfall unter Verkehrsexperten ist, ob sich die Verlängerung der U4 von der Endstation Arabellapark über Englschalking bis zur Messestadt West lohnen würde. Die Stadt schlägt das in ihrem Olympia-Papier vor, taxiert die Kosten freilich auf 2,4 Milliarden Euro. Berthold Maier vom Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr (AAN) warnt: Die Verlängerung sei nur sinnvoll, wenn nach Freiwerden des Olympischen Dorfes „die maximale Bebauungsvariante (30.000 neue Einwohner) realisiert“ werde. Die Verlängerung bis zur Messestadt hält er für utopisch. U29: Die U29 wäre ein Teilprojekt der von der Stadt langfristig geplanten U9, die irgendwann einmal von Martinsried über Harras, Esperantoplatz, Hauptbahnhof, Pinakothek, Münchner Freiheit bis zum Garchinger Forschungszentrum führen soll. Dieses Projekt, einige Milliarden teuer (3,25 Mrd. offiziell derzeit), wird bis zu den Olympischen Spielen nicht durchführbar sein. Konkret gefordert wird von der Stadt jedoch eine „Entlastungsspange“. Sie beinhaltet den Südast (zumindest ab Harras), die U9-Station am Hauptbahnhof (gerade im Bau) und die Strecke bis zum Bahnhof Theresienstraße – damit wäre die U29 dann auf der U2-Trasse, die letztlich bis zum Olympiazentrum führt.

Der Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr warnt aber vor überzogenen Erwartungen: „Wenn die U29 und die U4 gebaut werden, wird sich die Fertigstellung der U5 nach Freiham von Anfang/Mitte der 2040er-Jahre in Richtung 2050er-Jahre verschieben.“ Bau- und Planungskapazitäten seien begrenzt – ganz zu schweigen von den Finanzen. Olympia-Tram: Ein lang gehegter Traum der Verkehrsenthusiasten ist eine Tram durch den Englischen Garten. Der Freistaat als Eigentümer hat mehrfach definitiv abgelehnt – und auch in den Planungen der Stadt taucht sie nicht auf. Pro Bahn und AAN haben sie trotzdem auf der Wunschliste. „Die Olympia-Tram kann eine attraktive Erschließung der Wettkampfstätten und des Olympischen Dorfes bereitstellen“, betont Maier. Die Strecke würde vom Olympiapark Süd über den Englischen Garten bis nach Johanneskirchen zum Olympischen Dorf führen.

Eine zweite Trasse würde von Moosach (S1) über die Dachauer Straße und die Maximiliansstraße zum Olympischen Dorf führen und großteils bestehende Tramgleise nutzen. Nur zwischen Berg am Laim und Johanneskirchen müssten Tramgleise neu gebaut werden.DIRK WALTER

Freitag, 2. Oktober 2026
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