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Italo-Flair in Oberbayern

Pilsensee: Ortsbesuch am beliebtesten Campingplatz des Freistaats

Ein Fass für die Nacht: Campingplatz-Geschäftsführer Martin Zerhoch.

Der Pilsensee im Kreis Starnberg leuchtet tiefblau. © Wagner/IMAGO

Aus der Schweiz angereist: Opa Werner Schwitter (v. li.), Aaron (4 Jahre), Mama Dunya Schlegel, Papa Claudio Schlegel, Rosemarie Riederer, Arya (2) und Hündin Bella. © A. Jaksch (2)

Seefeld – Martin Zerhoch steht auf seinem Campingplatz, er zeigt auf den Pilsensee, neben ihm Wälder und dahinter die Alpen. „Im Sommer kommt es mir vor, als wäre ich am Gardasee“, sagt der 47-Jährige. Ein bisschen Italo-Flair im Kreis Starnberg. Zerhoch ist hier seit 16 Jahren Geschäftsführer, auf seiner blauen Weste prangt der Name des Platzes, daneben sind ein Zelt und eine Welle eingestickt. Heuer ist sein Platz beim Campingportal des ADAC zum beliebtesten Campingplatz Bayerns gekürt worden. Auch deutschland- und sogar europaweit erhielt er schon zahlreiche Auszeichnungen. „Es gibt so viele Campingplätze, da sind die guten Bewertungen schon sehr erfreulich“, sagt Zerhoch.

100.000 Übernachtungen zählt der Campingplatz in dieser Saison, dazu kommen 350 Jahrescamper. Die Gäste haben die Wahl zwischen 150 Stellplätzen, sieben Mobilheimen, zehn Schlaffässern, einer Zeltwiese und einem Jagdhäuschen. Die Saison heuer ist fast vorbei, doch an diesen sonnigen Herbsttagen ist das Urlaubsgefühl noch nicht verschwunden. Am Kiosk sitzen Camper bei Pommes und Schnitzel, die Sonne wärmt noch einmal, Kinder spielen, ein Hund genießt das sanfte Licht. Die Gäste lassen es ruhig angehen.

An einem der Tische sitzt eine Familie aus der Schweiz. Rund 200 Kilometer haben sie von Walenstadt bis zum Pilsensee zurückgelegt. Zwei Wochen wollen sie hier verbringen. Opa Werner Schwitter ist voll des Lobes: „Alle sind sehr gastfreundlich. Und was uns auch wichtig ist, dass alle Sanitäranlagen top sind. Fünf Sterne plus!“ Während die Familie am Kiosk Mittag isst, erzählt Vater Claudio Schleger, warum er sich gerade diesen Campingplatz ausgesucht hat: „Ich habe einen Campingplatz in der Nähe Münchens gesucht, damit wir auf das Oktoberfest gehen können.“ Er selbst macht das seit zehn Jahren regelmäßig. Heuer will er seinen Kindern Arya (2) und Aaron (4) erstmals das Fest zeigen.

Martin Zerhoch freut sich über zufriedene Gäste. Die persönlichen Rückmeldungen, aber auch die offiziellen Auszeichnungen sind für ihn Wertschätzung seiner Arbeit und die der rund 35 Mitarbeiter, die um den Campingplatz beschäftigt sind. „Bei uns kann sich jeder aussuchen, wie er es haben möchte“, betont er. Ganz klassisch im Zelt, mit eigenem Wohnmobil oder im Fass ab 75 Euro pro Nacht in der Hauptsaison. Die Luxusvariante gibt es im Mobilheim ab 185 Euro pro Nacht in der Hauptsaison. Den kleinsten Zeltstellplatz bekommen Gäste schon für knapp zwölf Euro im Sommer. „Ob die Gäste campingerfahren sind oder Neueinsteiger, wir möchten ein Campingerlebnis für alle anbieten.“

Die Fässer aus Holz mit vier Schlafplätzen waren ursprünglich für Radfahrer mit wenig Gepäck oder als Schlechtwetter-Unterkunft gedacht, erzählt Zerhoch. Inzwischen laufe die Vermietung richtig gut. Ein Münchner Stammgast hat daraus sogar eine Tradition gemacht: Er mietet jedes Jahr fünf der Holzfässer und feiert seinen Geburtstag mit rund 20 Gästen.

Auch Hans und Connie Mattheußer aus Frankfurt haben sich bewusst für den Pilsensee entschieden. Im Campingstuhl vor ihrem Wohnmobil genießen sie die Herbstsonne. Ihre Tochter lebt in München und hat gerade ein Kind bekommen. Also suchten die beiden einen Campingplatz in der Nähe der Stadt – mit See, Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel – die S-Bahn ist 20 Gehminuten entfernt – sowie Möglichkeiten zum Radfahren und Wandern. Vier Wochen verbringen sie am Pilsensee. „Wir sind sehr überzeugt vom Platz: die Ruhe, der See und die Natur“, sagt Hans Mattheußer.

Dass Camping längst nicht mehr nur aus Lagerfeuer, Klappstuhl und Natur besteht, zeigt eine Umfrage unter den Gästen des Campingplatzes. Auf die Frage, was ihnen besonders wichtig sei, landete ausgerechnet das Wlan vor Preis und Lage ganz oben. „Wlan setzt man voraus“, erklärt Zerhoch. Für verregnete Tage oder Ausflugsplanung sei das Funknetzwerk am Zeltplatz inzwischen nicht mehr wegzudenken.

Doch der Sommertrubel neigt sich dem Ende. Nun wird es ruhiger auf dem Platz. Für Zerhoch bedeutet das aber nicht weniger Arbeit. „Nach der Saison ist vor der Saison“, sagt der Geschäftsführer. Bald gehören Reparaturen, Instandhaltung und das Winterfestmachen des Platzes zu den Aufgaben, bis am 15. März die neue Saison beginnt. Und sich der Platz wieder nach Gardasee anfühlt.TANJA MAIER

Freitag, 2. Oktober 2026
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