Mit Kiwi und Pfirsich in die Zukunft
Bauernpräsident Felßner über die Folgen des Klimawandels und die langsame Politik
Bauernpräsident Felßner: Die Landwirte können mit dem Klimawandel umgehen. © Hoppe/dpa
München – Am Sonntag feiern die Christen Erntedank. Für Landwirte war das Hitzejahr alles andere als einfach. Sind die Bauern trotzdem dankbar? Wir sprachen mit Bauernpräsident Günther Felßner.
Wir haben zwar weniger geerntet, aber die gute Botschaft ist: Die Bauern haben geerntet. Das ist für uns alle, auch für jeden Verbraucher, ein Grund, dankbar zu sein. Auch wenn‘s keine Superernte war: Viele Menschen auf der Welt beneiden uns darum, dass wir genug zu essen haben.
Das Erntejahr war herausfordernd. Es war geprägt von vielen Hitzetagen und kaum Regen und von Wassermangel in vielen Regionen. Beim Grünland haben wir starke Verluste. Daher haben wir jetzt Futternot bei den rinder- und schafhaltenden Betrieben, weshalb viele Betriebe Futter zukaufen müssen. Beim Getreide und den Feldfrüchten ist es heftig: Bei Weizen, Mais und Kartoffeln haben Qualitäten und Menge sehr gelitten. In Franken, wo ich herkomme, hatten wir nur 50 Prozent des normalen Niederschlags. Das sind Zahlen, die wir so noch nie hatten.
Das ist die Kardinalfrage. Ein verändertes Klima ist nicht ganz neu für uns. Ein Punkt dabei ist auch: Wie wirkt es sich ökonomisch auf den Betrieb aus? Früher hat es so funktioniert: Wenn die Ernte geringer war, stieg der Preis, weil die Nachfrage anzog. Dieser Ausgleich funktioniert nicht mehr mit den offenen Grenzen. Irgendwo auf der Welt wird immer geerntet. Daher steigt der Preis nicht, wenn wir in Bayern nur die Hälfte Ertrag beim Weizen haben. Das ist für den Verbraucher gut, weil die Versorgung gefühlt immer gesichert ist. Aber für den Landwirt funktioniert dieser wirtschaftliche Ausgleich nimmer. Er wird voll getroffen von einer schwächeren Ernte. Wir dürfen Ernährungssicherheit nicht anderen Staaten in die Hände geben!
Das wollen wir auch nicht. Wir brauchen Mechanismen, um das besser zu bewältigen. Da ist einerseits eine Gemeinsame Agrarpolitik in Europa wichtig. Andererseits müssen wir Instrumente schaffen zur Absicherung, wenn die Preise abstürzen. Das Beste ist eine Risikoausgleichsrücklage, in der man in den guten Jahren selbst was zurücklegen kann für Krisen. Das ist nicht nur eine buchhalterische Summe! Ich will ein echtes Liquiditätsinstrument. Das heißt, ich möchte, dass der Landwirt ein Festgeldkonto einrichtet. Er muss das Geld wirklich zurücklegen. Das senkt in guten Jahren seine Steuerlast. Das habe ich in die Koalitionsverhandlungen in letzter Sekunde noch eingebracht.
Das ist ein Taschenspielertrick der Politik. Die Agrarminister von Land und Bund sagen uns, dass sie es machen wollen. Und die Leute aus der gleichen Mannschaft lehnen es an anderer Stelle ab. Das halte ich für eine unehrliche Politik. Das kann nicht das letzte Wort sein. Das ist eine Vereinbarung, die im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist. Aus meiner Sicht ist die umzusetzen. Jetzt muss man politisch arbeiten. Ganz wichtig: Das ist kein Steuersparmodell. Wenn ich das Geld drei Jahre zurückgelegt habe und es kommt keine Krise, dann muss ich‘s wieder auflösen. Dann wird das Geld vollumfänglich versteuert. Da ist nicht ein Cent verloren für den Staat.
Bodenschonende Anbaumethoden, Humusaufbau, besseres Wassermanagement, Anlage von Wasserrückhaltebecken zwischen den Feldern. Ich hab’ selbst ein Projekt gemacht mit dem Wasserwirtschaftsamt in Bad Windsheim. Da haben wir einfach einen Schieber eingebaut in einen Graben, damit der Regen nicht wegläuft. Was ganz Banales, im trockensten Eck Bayerns. Das haben wir mit der TU München zusammen erprobt. Damit konnten wir 5000 Kubikmeter Wasser zurückhalten, die ins Grundwasser versickert sind.
Hirse, Quinoa, Melonen, Erdnüsse und Kichererbsen kann man anbauen. Klar ist aber auch: Unsere grundlegende Ernährungssicherung wird über die jetzt bestehenden Getreidearten wie Brotweizen weiterhin sichergestellt werden müssen. Wir werden uns nicht in Summe von Kichererbsen oder Hirse ernähren. Was wir aber schon sehen, ist Pfirsich. Es gibt auch eine Bayern-Kiwi-Idee. Wenn man uns Landwirten die nötigen Rahmenbedingungen gibt, können wir den Klimawandel managen.
Wir haben die Ausbildung, die Technologie, die Infrastruktur. Aber das muss man im politischen Rahmen ermöglichen. Wir haben leider oft eine Politik, die uns nicht ermöglicht, auf den Klimawandel zu reagieren. Deswegen sind wir etwas entsetzt über die Bundesregierung, die hier viel zu langsam ist. Aber es ist kein Grund, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken. So ticken wir Landwirte nicht. Wir sind Macher und wollen uns besser an den Klimawandel anpassen. Wenn uns die Politik wieder mehr Handlungsfreiheit und Vertrauen gibt, dann kann die Landwirtschaft das schaffen.