„Ich fürchte den Rückzug in Partykeller“

von Redaktion

4 FRAGEN AN

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) will Bars und Clubs gern eine Perspektive bieten – ohne den Infektionsschutz zu vernachlässigen. Wie geht das? Wir haben mit Aiwanger über die Möglichkeiten der Branche gesprochen. Er sagt: Durch eine Umplanung wäre jetzt schon rechtlich viel Potenzial da. Der 49-Jährige warnt zudem vor Infektionen auf Privat-Partys im Winter.

Sind Bars und Clubs systemrelevant – oder ist die Schließung das Luxusproblem einer in Wohlstand lebenden Jugend?

Es ist auf jeden Fall ein großer Wirtschaftsfaktor, der hier momentan brach liegt – 5000 Betriebe von der großen Disco bis zur kleinen Kneipe, mit allen Arbeitsplätzen, die dran hängen. Die jungen und junggebliebenen Leute vermissen diese Bars und Clubs, und sie weichen in den öffentlichen Raum aus, wo es oft auch Konflikte mit Anwohnern gibt. Wir müssen deshalb eine Abgrenzung finden, um eine Öffnung zu ermöglichen: Natürlich wird kein Disco- und Party-Betrieb möglich sein, aber es gibt Grenzbereiche, wo sich die eine oder andere Bar gut aufstellen kann, indem sie Speisen anbietet.

Sie arbeiten also an einer Art Perspektive für Lockerungen?

Naja, die Perspektive gibt es jetzt schon, wenn man sich an die bestehenden Vorgaben hält. Es muss eine gute Lüftung in den Lokalitäten eingebaut sein, es müssen Speisen angeboten werden und es muss ausreichend Abstand zwischen den Tischen sein. Es gibt Kneipen, die haben umdisponiert und erfüllen die gesetzlichen Auflagen.

Da gibt es in München ja eine Disco, die jetzt Salzstangen und Erdnüsse serviert. Scheint sich um ein Speiselokal zu handeln – ist das clever oder schlicht illegal?

Salzstangen und Erdnüsse reichen wohl nicht. Baguette, Wurstsemmel, das wäre eher das Minimum.

Wenn im Herbst/Winter die Party-Clubs noch zu sind und es draußen zu kalt ist – droht dann ein Boom illegaler Discos?

Illegale Clubs fürchte ich weniger, aber in der kälteren Jahreszeit das Zurückziehen ins Private, wo der Staat gar keinen Infektionsschutz mehr durchsetzen kann. Dann wird die Garage oder die leere Wohnung der Oma zum Partykeller umfunktioniert. Dann treffen sich da 30 Leute auf engstem Raum ohne jede Lüftung und ziehen vielleicht sogar von Keller zu Keller. Wir müssen wirklich aufpassen, dass sich hier im Privaten kein ganz neues großes Infektionsrisiko ergibt.

Interview: C. Deutschländer

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