München – Peter Geisler ist pensionierter Elektromeister. Und Bastler. Und Tüftler. Deswegen kommt er fürs Leben gerne ins Kulturzentrum Mohr-Villa in München-Freimann, wo jeden Samstag gemeinsam gelötet, gebohrt, gehämmert, geschraubt und genäht wird. Dann öffnet das Reparatur-Café seine Pforten. „Es ist eine schöne Freizeitbeschäftigung und einmal im Monat gönn’ ich mir das“, sagt Geisler. Mit Gleichgesinnten rettet er kaputte Dinge vor der Mülltonne. Das ist es, was ihn glücklich macht.
Mitbringen darf die defekten Sachen jeder – und auch mitanpacken ist gewünscht. Das Konzept beinhaltet auch „Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Mitinitiatorin Brigitte Fingerle-Trischle. Egal, ob Lampen, Schmuck oder auch mal eine Milchpumpe – im Reparatur-Café wird sich des Problems angenommen.
Rund 20 Ehrenamtliche helfen, wo sie können. Meist kommen sie aus dem technischen oder wissenschaftlichen Bereich und bringen ihr eigenes Werkzeug mit. Susanne Kuhne ist für die Näharbeiten zuständig. „Ich freue mich wie ein Schneekönig, wenn ich was reparieren kann“, sagt sie.
Rund 1300 Teile haben die Reparateure seit der Eröffnung unter die Lupe genommen – mit einer Erfolgsquote von 50 Prozent. Zwar nicht alles kann dort wieder zum Laufen gebracht werden, aber bis auf die notwendigen Ersatzteile ist der Service komplett kostenfrei. Dabei gilt als Faustregel: Wenn der Fehler in 30 bis 45 Minuten nicht gefunden ist, wird der Aufwand als zu groß eingeschätzt. Extra Elektro-Prüfgeräte sorgen dabei für die elektrische Sicherheit.
Die Reparatur-Bewegung erlebt in den letzten Jahren einen Aufschwung. Angefangen hat sie in den Niederlanden, wo das erste Repair-Café bereits 2009 eröffnet wurde. Bereits jetzt zählt die Initiative „Repair Café weltweit“ über 2200 Einrichtungen. Allein in Deutschland werden rund 900 Cafés betrieben. hud
Ein Reparatur-Café
vor Ort finden Sie unter
reparatur-initiativen.de