Reiters Stammstrecken-Frust

von Redaktion

„Habe den Glauben aufgegeben“ – Münchens OB bezweifelt, dass S-Bahn-Tunnel bis 2037 fertig sein wird

München – Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter bezweifelt, dass die zweite S-Bahn-Stammstrecke unter der Innenstadt wie geplant bis 2037 fertig wird. „Mein Vertrauen in die Zeitpläne der Bahn ist wirklich mega überschaubar“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Seit die Bahn die geplante Inbetriebnahme vom Jahr 2028 auf irgendwann zwischen 2035 und 2037 verschoben habe, habe er „den Glauben in die Planung der Bahn aufgegeben“.

Dass der Bau fast zehn Jahre länger dauern solle, habe er bei der Bekanntgabe „nicht fassen können“, sagte Reiter. „Deswegen habe ich wirklich gar kein Zutrauen in die Planungen. Nur ständigen Ärger, weil das alle Münchnerinnen und Münchner einfach nur nervt.“

Die zweite S-Bahn-Stammstrecke wird nach derzeitiger Prognose im Dezember 2036 eröffnet, die Bahn strebt aber weiter eine Inbetriebnahme 2035 an. Die voraussichtlichen Kosten liegen zuletzt bei mehr als sieben Milliarden Euro. Im März 2023 hatte die Baubegleitung des Freistaats mit tatsächlichen Kosten von 8,5 Milliarden Euro gerechnet – sofern das Projekt wirklich 2037 fertiggestellt wird.

Reiter betonte, seine Frustration mit Bahn-Baustellen sei nicht auf das Mammutprojekt zweite Stammstrecke beschränkt. Auch die Erneuerung des Hauptbahnhofs, dessen Empfangsgebäude laut Bahn 2037 fertig werden soll, sei „ein Quell reiner Freude“, merkte er sarkastisch an. „Wir haben einen Bahnhof, der ewig lang dauert, neu hergerichtet zu werden. Das macht das Entree in diese Stadt nicht besser.“

Dazu kommt, dass München an Plänen für eine Olympia-Bewerbung 2036 oder 2040 feilt. Sollten der Hauptbahnhof und die zweite Stammstrecke bis dahin noch im Bau sein, würden wichtige Kapazitäten im Nahverkehr fehlen.

Reiter selbst betonte, er habe „noch Hoffnung, wenn wir uns für die Olympischen Spiele erfolgreich bewerben würden, dass die DB vielleicht bis 2037, 2038 fertig werden könnte“, wenn die Spiele im Jahr 2040 nach München kämen. „Aber ansonsten muss man ganz offen sagen: Ob die jetzt dieses 2037er-Ziel schaffen oder nicht, das steht aus meiner Sicht komplett in den Sternen.“

Die endgültige Entscheidung für das deutsche Bewerbungskonzept für Sommerspiele 2036 oder 2040 soll auf der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember getroffen werden. Eine Münchner Bewerbung wird es laut Reiter aber nur geben, wenn die Münchner per Bürgerentschied dafür stimmen.
F. MERSI

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