Die Kunstmühle gehörte einstmals zum Hofbräuhaus

von Redaktion

Die Mälzerei wurde im 19. Jahrhundert verkauft und zur Mühle umgebaut – Olympische Spiele bedeuteten das Aus fürs Wasserrad

Die Rückseite des Hofbräuhauses sieht man aus den Fenstern der Kunstmühle Blum. © Schlaf

München – Von außen wirkt das Gebäude in der Münchner Neuturmstraße 3 wie eines dieser hochherrschaftlichen Häuser im Stadtzentrum, in dem prächtige Wohnungen oder Anwaltskanzleien untergebracht sind. Dass sich hinter dem schwarzen Tor die einzige noch aktive Getreidemühle Münchens befindet, dürften nur die wenigsten vermuten.

Wer hinter die Fassade blicken darf, der entdeckt ein echtes Kleinod. Die jetzige Weizenmühle, die sich über vier Stockwerke erstreckt, steht mit ihren acht, 105 Jahre alten Walzenstühlen unter Denkmalschutz. Doch die Mühle ist noch viel älter: Bereits auf einem hölzernen Stadtmodell aus dem Jahre 1570 ist eine Hofbräuhaus-Mühle zu erkennen. Im Jahre 1703 errichtete Kurfürst Maximilian II. Emanuel an dieser Stelle eine Malzmühle fürs benachbarte Hofbräuhaus.

In den 1870er-Jahren wurde die Brauerei nach Haidhausen verlegt und die Königliche Malzmühle an einen Privatmann verkauft, der sie in eine Getreidemühle umbauen ließ. Wegen der modernen Technik heißt der Betrieb seither Kunstmühle. Jakob Blum, ein Müller aus der Pfalz und Urgroßvater des heutigen Besitzers, kaufte das Anwesen 1921 und ließ die Mühle neu einrichten. Stefan Blum und sein Sohn Valentin sind stolz auf die alten Maschinen, die noch immer ihren Dienst tun und anders als topmoderne Hightech-Maschinen mit eigenen Kräften gewartet werden können.

Den Zweiten Weltkrieg übersteht die Mühle, die im Westen ans Hofbräuhaus angrenzt und im Süden an das Luxushotel Mandarin Oriental, fast völlig unbeschadet. Als Ende der 1960er-Jahre das Zentrum für die neue U-Bahn anlässlich der Olympischen Spiele 1972 umgegraben wird, endet für die Kunstmühle Blum die Zeit der Wasserkraft. Der Bach, der das Wasserrad antreibt, wird stillgelegt. Inzwischen läuft die Mühle mit Ökostrom.

Die Müllerfamilie Blum begnügt sich nicht mit dem Betrieb einer Mühle. 1988 wird ein Mehlladen eröffnet, in dem vom Grieß bis zum Pizzamehl alles angeboten wird. 2010 kommt auf der anderen Seite des schwarzen Hoftores eine Bäckerei hinzu.

Dass eine Tochter des Müllermeisters und Berufsschullehrers Rudolf Wenig in der Mühle arbeitete und Familie Blum alte Rezepte ihres Vaters überließ, war ein echter Glücksfall. „Wir haben Original-Rezepte von Münchner Backwaren bekommen. Und die werden in unserer Backstube auch hergestellt, etwa das Pfennigmuckerl“, sagt Stefan Blum. 2001 hat der Jurist die Mühle von seinem Vater übernommen.CLAUDIA MÖLLERS

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