Hilferuf für bedrohte Denkmäler

von Redaktion

Den Haag – Sie alle haben eine lange und große Geschichte hinter sich – ja, aber eben: hinter sich. „Europa Nostra“, ein 1963 gegründeter Denkmalschutzverbund, hat am Donnerstag in Den Haag eine Liste bedrohter Baudenkmäler aus Europa vorgestellt. Es geht nicht um die ganz großen Adressen, sondern um prägnante Bauten, die zwar typisch für ihre Region oder ihre Zeit sind – an denen die Behörden vor Ort aber das Interesse verloren haben.

Die alljährlich erscheinende Siebener-Liste mit Gebäuden aus ganz Europa ist eine Art letzter Hilferuf, bevor das eine oder andere zerfällt, verstümmelt oder eingerissen werden könnte. Das Dorf Katapola und die antike Stadt Minoa auf der Kykladeninsel Amorgos zum Beispiel sind wichtige Zeugen von Griechenlands und Europas Kulturerbe. Geplante großflächige Hafenausbauten bedrohen diese fragile Kultur- und Geschichtslandschaft unmittelbar. Dagegen mobilisieren inzwischen Anwohner, Denkmalpfleger und Umweltorganisationen.

Wassermühle von deutschen Siedlern

Im Dorf Feked im Süden Ungarns ist die Fabri-Wassermühle ein seltenes Zeugnis eines ländlichen Industrieerbes. Die 1788 von deutschen Siedlern am Bach Karasica erbaute Mühle verkörpert jahrhundertealten Wissenstransfer, technisches Können und Tradition. Doch der derzeitige Zustand ist kläglich: Baufälligkeit, Überschwemmungen und Leerstand bedrohen den Erhalt.

Zeugnis von Maltas vielschichtiger Militär- und Sozialgeschichte legt die britische Kaserne in Fort Chambray ab; sie ist das einzige erhaltene Beispiel britischer Militärwohnungen auf der Insel. Laut einer behördlichen Genehmigung von 2024 könnten nun bis zu 85 Prozent der Bauten abgerissen werden, um Platz für eine moderne Wohn- und Hotelbebauung zu schaffen.

Die Pulverfabrik Vale de Milhaços im portugiesischen Seixal gehört zu den außergewöhnlichsten Industrieanlagen Europas. Vom späten 19. Jahrhundert bis 2002 mit Dampf betrieben, enthält der Komplex Originalgebäude, Werkstätten und uralte Dampfmaschinen zur Herstellung von Schwarzpulver für Bergbau und Bauwesen. Bauschäden, Vandalismus und invasive Vegetation gefährden Gebäude und historische Maschinen – dabei gibt es Pläne zur Umnutzung als Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftszentrum.

Die reformierte Kirche von Santamaria Orlea (deutsch Mariendorf) gehört zu den ältesten Steinkirchen Siebenbürgens. Trotz über 700 Jahren ununterbrochener liturgischer Nutzung ist die Kirche durch Feuchtigkeit, Risse, abblätternde Fresken und unzureichende Dachreparaturen ernsthaft bedroht.

Die Brauerei Weifert im serbischen Pancevo wurde 1722 gegründet und ist damit die älteste Brauerei auf dem Balkan. Inzwischen ist der Industriekomplex aber durch lange Vernachlässigung und Verfall, Maschinendiebstahl, Überschwemmungen und Extremwetter akut bedroht. Die Größe des Geländes erfordert öffentliche wie private Investitionen. Nur sieben Beispiele von Hunderten, wohl Tausenden. Der Denkmalschutz in Europa hat viel Arbeit.A. BRÜGGEMANN

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