Voislav Lukovic verkauft seit zehn Jahren Proteinpulver und Ergänzungsmittel. © Oliver Bodmer (5)
München – Nach dem Training einen Protein-Shake trinken und täglich Kreatin nehmen – mittlerweile völlig normal für viele Menschen. Was vor 15 Jahren noch in der Bodybuilder-Szene zu verorten war, ist heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Viele Menschen, mitnichten alle Leistungssportler, greifen regelmäßig zu Proteinpulver und Nahrungsergänzungsmitteln.
Die Eiweißprodukte sind so gefragt, dass Regale in Supermärkten und Fachgeschäften oft wie leer gefegt sind. Rund 4,6 Millionen Haushalte haben zuletzt Proteinpulver gekauft, wie das Marktforschungsinstitut YouGov berichtet – ein Anstieg von 66 Prozent innerhalb eines Jahres. Die enorme Nachfrage wirkt sich auf die Preise aus. „Die Molkenpulverpreise sind seit Mitte 2023 kontinuierlich gestiegen“, berichtet Alexander Anton vom Europäischen Milchindustrie-Verband. Nicht-veganes Proteinpulver wird meist aus getrockneter Molke – Nebenprodukt der Käseherstellung – gewonnen. Oft wird es in Wasser oder Milch angerührt und als Shake verzehrt.
Dass immer mehr Menschen zum Eiweiß-Drink und zu Ergänzungsmitteln greifen, kann Voislav Lukovic bezeugen. Der Münchner betreibt seit zehn Jahren ein Geschäft für Sport- und Nahrungsergänzungsmittel. Das „Nuqx“ an der Dachauer Straße liegt direkt gegenüber von einem Fitnessstudio – viele Kunden kommen nach dem Training. Vor zehn Jahren kamen noch andere Einkäufer als jetzt, berichtet der 40-Jährige. Damals waren Proteinpulver und Mittel wie Kreatin eher etwas für Bodybuilder und intensive Fitnesstudiogänger als für normal Sportliche. Kundinnen kamen selten, meist kauften Männer die Fitnessprodukte. Doch die Branche hat sich gewandelt und mit ihr die Kundschaft.
Heute kommen 16-Jährige in sein Geschäft, um Proteinpulver zu kaufen, und 80-Jährige fragen nach Kreatin, berichtet Lukovic. Auch deutlich mehr Frauen kaufen bei ihm ein. Sie greifen eher zu Kollagen-Pulver und zuckerfreien Produkten wie Grill- oder Schokosaucen. Auch die gibt es im Nuqx. Besonders seit der Corona-Pandemie sei die Nachfrage nach Fitnessprodukten extrem gestiegen, beobachtet der Unternehmer. Insbesondere nach Kreatin: Das Produkt ist bei ihm schnell ausverkauft. Dabei sind viele seiner Kunden keine Hochleistungssportler. Manche trainieren intensiv, andere machen weniger Sport. Trotzdem konsumieren sie Proteinprodukte, Kreatin und andere Nahrungsergänzungsmittel.
„Es geht mehr um den Lebensstil, nicht nur um Muskelmasse. Sich wohlfühlen, fit und gesund sein – das priorisieren heute viele Menschen“, sagt Lukovic. „Durch Social Media und Youtube ist das mehr in der Gesellschaft angekommen.“ Auch wenn der Fitnessbegeisterte es für sinnvoll hält, extra Eiweiße zu schlucken, bereiten ihm einige Entwicklungen Sorgen. „Viele Menschen stehen enorm unter Leistungsdruck, vor allem Jugendliche.“ Es komme öfter vor, dass junge Kunden Produkttrends von Sozialen Medien nachjagen. Ob sie sich an die empfohlenen Mengenangaben halten, bezweifelt Lukovic manchmal.
Trotzdem: „Die Kunden sind heute besser informiert“, sagt der Ladeninhaber. Er lege zwar immer noch Wert auf die Beratung, doch die sei inzwischen weniger zeitintensiv. Viele wüssten schon genau, was sie wollen. Was auch am Fortschritt der KI liegen dürfte, die wohl viele Kunden befragen. Auch in den Supermärkten ist der Protein-Hype längst angekommen. Viele Produkte enthalten extra Eiweiß – Puddings, Quark, Kekse und sogar Eis.LEA SCHÜTZ