München plant die Wohn-Revolution

von Redaktion

OB Dominik Krause (Grüne). © M. Nagy

Das ehemalige Fundbüro in Sendling-Westpark wird gerade umgebaut.

So sah es früher im Fundbüro aus. Und jetzt wird‘s hoffentlich bärig. © Sigi Jantz

Ein Blick in die Abstellräume der neuen Wohnanlage des Hauses. © Oliver Bodmer

Dragan Stolic in einer der Wohnungen im früheren Fundbüro. © Oliver Bodmer

München – Die Baustelle sorge manchmal für etwas Verwirrung, sagt Architekt Dragan Stolic (47). Immer noch kämen gelegentlich Menschen vorbei und fragten erstaunt, wo denn das Fundbüro sei. Denn bis vor sechs Jahren lagerten in den Räumen an der Oetztaler Straße (Sendling) noch tausende Fundsachen – abgegebene Schlüssel, Handys und Fahrräder. Doch gerade befindet sich alles im Umbau: Nun entstehen 17 neue Apartments, zwischen 40 und 65 Quadratmetern groß. Verteilt auf zwei Stockwerke. „Alle Apartments sind höchst individuell“, sagt Stolic. Klar, er musste seine Planung an die Gegebenheiten eines ehemaligen Fundbüros anpassen.

In Sendling-Westpark passiert bereits, was Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) für ganz München plant: Ehemalige Büro- und Gewerbeflächen sollen verstärkt in Wohnungen umgewandelt werden. Dieses Ziel hatte er schon im Wahlkampf angekündigt. Krause sieht auf diesem Weg ein Potenzial von bis zu 10.000 neuen Wohnungen, da in München derzeit rund 1,8 Millionen Quadratmeter dieser Flächen ungenutzt sind. Nun soll der Stadtrat die Gründung einer eigenen „Umbauagentur“ beschließen – bereits kommende Woche soll sich der Planungsausschuss mit dem Thema beschäftigen.

Die Agentur soll unter anderem Leerstände erfassen und „Umbauprojekte von der ersten Idee bis zur Umsetzung begleiten“, so das Planungsreferat. Ein Fokus liege auch auf temporären Umnutzungen, besonders im Bereich „junges Wohnen“ – also für Auszubildende, Studenten und allgemein junge Menschen, die am Anfang ihres Berufslebens stehen. Für die Agentur sollen zwölf Vollzeitstellen eingerichtet werden. Für 2027 ist ein Budget von 2,78 Millionen Euro eingeplant, im Jahr darauf 2,96 Millionen Euro.

Angesichts der angespannten Haushaltslage sorgte das in Teilen der Opposition für Kritik: „Finanziell verantwortungslos“, nannte CSU-Stadtrat Sebastian Kriesel die Pläne. Man solle auf vorhandene Fachkräfte zurückgreifen und keine neuen einstellen, heißt es. Grünen-Fraktionschef Sebastian Weisenburger wirft der CSU hingegen vor, noch nicht begriffen zu haben, „dass Wohnen das wichtigste Thema in dieser Stadt ist“. Seine Fraktion stehe hinter den Plänen des OB. „Dominik Krause hat verstanden, dass wir nicht abwarten, sondern handeln müssen“, so Weisenburger.

Auch aus Teilen der Praxis kommen lobende Worte für die geplante Umbauagentur. „Der politische Wille ist da“, sagt zum Beispiel Architektin Katrin Menzel von CSMM. Sie betreut eines der Leuchtturmprojekte der Stadt – die teilweise Umwandlung der Ten Towers nahe dem Ostbahnhof. In vier der zehn ehemaligen Bürotürme sollen rund 600 Apartments für rund 700 Studenten und Azubis entstehen.

Derzeit seien die Abstimmungen mit den Behörden beim Umbau von Büro- zu Wohnflächen noch „sehr zeitintensiv“. Grund seien planungs- und baurechtliche Herausforderungen – etwa müsse nachgewiesen werden, dass genügend Tageslicht in die Wohnungen fällt, der Schallschutz ausreicht und Freiflächen zur Verfügung stehen. Standards ähnlich wie bei einem Neubau, sagt Menzel. „Im Bestand ist das oft ziemlich schwierig umzusetzen.“ Eine unterstützende Agentur könnte dabei „hilfreich“ sein.

Themen, die auch Dragan Stolic kennt: Um das Fundbüro umzubauen, musste auch er kreativ werden. Die Fensterfront ist nur nach Norden ausgerichtet: „Es war wichtig, die gesamte Gebäudetiefe wirklich auszunutzen“, sagt er. Ein Vorteil für die neuen Bewohner: Die alte Deckenhöhe von teils über drei Metern bleibt erhalten. Er glaubt jedoch, dass sich nicht alle ehemaligen Büro- und Gewerbeflächen für eine Umwandlung eigneten. Das sei etwa dann der Fall, wenn die Gebäudestruktur ungeeignet sei – etwa wenn ehemalige Büroräume zu tief seien, um genügend Licht in die Zimmer zu bekommen.

Von Skeptikern heißt es insgesamt häufig, dass solche Umbauten oft kostspielig und kompliziert seien. Das Fundbüro-Projekt zeige jedoch, dass eine Umwandlung wirtschaftlich möglich sei, sagt Stolic. Die künftigen Mieten bewegen sich hier zwischen 21 und 24 Euro pro Quadratmeter. Bis Mitte September soll es abgeschlossen sein.

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