KOMMENTAR

Regieren geht über Studieren

1,8 Millionen Quadratmeter: Diese Zahl, für die man keine rechte Vorstellung entwickeln kann, entspricht ungefähr dem halben Englischen Garten. Viel also. Und es ist die Fläche an Büroraum, die im Moment in München leer steht – während gleichzeitig zehntausende Menschen bezahlbaren Wohnraum suchen. Dass das nicht zusammenpasst, ist logisch und seit Jahren bekannt. Ebenfalls seit Jahren haben wir aber aus der Stadtspitze gehört, dass sich dieses Problem nicht auflösen lässt.

Denn: Der Umbau von Büros in Wohnungen ist teuer, die Folge wären hohe Mieten. Alt-OB Dieter Reiter (SPD) hat berichtet, im Laufe seiner Amtszeit habe kein einziger Investor angeklopft, der eine Genehmigung für ein solches Projekt hätte haben wollen. Eine Argumentation mit Logik und Lebenserfahrung – aber nicht das Ende der Fahnenstange. Dass der neue OB Dominik Krause jetzt eine Umbau-Agentur schafft, um solche Projekte anzuschieben, ist richtig.

Erstens gibt‘s seit Neuestem Umbau-Zuschuss vom Bund. Zweitens braucht‘s manchmal nur einen kleinen Impuls, um Dinge ins Rollen zu bringen – und sei es nur, dass dieser Impuls einem Geldgeber vermittelt: Mein Projekt ist gewollt.

Dass dieses Signal nun auch wirklich kommt, das wird entscheidend für das Gelingen des Projekts sein. Die Umbau-Agentur muss mehr sein als nur eine politische Willenserklärung. Die Verwaltung muss Gas geben, muss den Erfolg wollen, wird auch manchmal über den eigenen Schatten springen müssen.

Wenn sie das tut, dann kann in diesem Fall das alte Sprichwort in abgewandelter Form gelten: Regieren geht über Studieren. Wenn‘s dann immer noch nicht funktioniert, haben wir‘s wenigstens probiert.

Samstag, 11. Juli 2026
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