Spezialkräfte stehen am Eingang des Gymnasiums. © dpa
Schongau – Eine Kerze ins Fenster stellen als Zeichen der Trauer oder darüber sprechen, wie man mit starker Wut umgeht – das sind zwei Dinge, mit denen Eltern ihren Kindern nach der Bluttat von Schongau helfen können. Denn nach einer solchen Schreckenstat brauchen Kinder und Jugendliche Unterstützung. Dies betonen zwei Psychologen gegenüber unserer Zeitung – sie wollen namentlich nicht genannt werden, da sie in die Betreuung der Schüler des Gymnasiums und deren Familien eingebunden sind. Ihr wichtigster Tipp: „Es muss nicht erst lichterloh brennen, um sich Hilfe zu holen.“ Schon dann, wenn man sich überfordert fühlt, ist Unterstützung hilfreich, raten die Experten. Denn wahrscheinlich werden sich vor allem die Kinder, die im Freundeskreis betroffen sind oder die Taten beobachteten, lebenslang an die schrecklichen Ereignisse erinnern: „Wenn sie den Schrecken verarbeiten konnten, dann werden sie nicht krank.“ Wer Hilfe braucht, solle sich an Schulpsychologen oder die Erziehungsberatungsstellen. Mehr Tipps gibt‘s online auf der Seite der Aetas Kinderstiftung, die Familien in Krisen und bei Traumata unterstützt: aetas-kinderstiftung.de
Sind Schüler durch die Tat verängstigt, raten die Kinderpsychologen Eltern zu einer Vier-Punkte-Strategie: Im ersten Punkt wird zusammengefasst, was passiert ist, aber ohne zu stark in Details zu gehen. Wichtig ist es, in einem zweiten Punkt starke Gegengewichte zu setzen: So war in Schongau schnell die Polizei da, viele Menschen halfen und schnell ging auch vom Täter keine Gefahr mehr aus. In einem dritten Punkt kann man besprechen, was jetzt gerade passiert: Die Mädchen werden versorgt, es besteht keine Lebensgefahr, in der Schule gibt es Angebote für die Kinder. Als letzter Punkt ist die Selbstwirksamkeit wichtig. Konkret also die Frage, was der Einzelne tun kann: Mitgefühl zeigen, Zusammenhalt stärken, ganz konkret vielleicht fünf Euro spenden oder eine Kerze anzünden.
Weiterhin raten die Experten, es zuzulassen, wenn der Kopf der Kinder um die Tat kreist, aber zugleich auf ein Gleichgewicht zu achten. „Es sollte Zeiten geben, in denen der Kopf viel denken darf und vielleicht auch durcheinander sein. Aber das Chaos im Kopf sollte Pausen machen, in denen man Kraft sammeln kann.“ Was man tun kann, um sich zu stärken, ist individuell verschieden, so die Psychologen. Nur eines gilt für alles: „Es muss handyfreie Zeiten geben.“SVS