Schleching – Viele besondere Momente an einem besonderen Ort, einem Kraftort, wie es viele Festredner nannten, konnten an diesem Tag zur Hebauffeier am Berggasthof Streichen erlebt werden. Durch das Engagement von Schlechinger Bürgern und des Vereins der Streichenfreunde hatte Kulturerbe Bayern in gemeinsamer Initiative mit der Yvonne-und-Thomas-Wilde-Familienstiftung im Jahr 2021 den Berggasthof Streichen übernommen. Seitdem wurde gemeinschaftlich und in enger Abstimmung mit den Behörden die notwendige behutsame und denkmalgerechte Instandsetzung des Berggasthofes geplant und umgesetzt.
„Beglück die da
gehen ein und aus “
Auf dem Gerüst über der Eingangstür zum Berggasthof Streichen stand der Name Vinzenz Bachmann (Baugeschäft und Zimmerei). Über ihm schwebte der Wipfelbaum am First. In einer recht launigen Rede in Versform sprach Bachmann den Richtspruch, bei dem vom Architekten bis zu den Gewerken alle berücksichtigt wurden. Mit den Worten „Beglück mit Segen dieses Haus – und die da gehen ein und aus“ endete er seinen Richtspruch, trank sein Bierglas aus und warf es nach alter Tradition vom Gerüst herunter.
Die Begrüßung der vielen geladenen Gäste, die alle auf verschiedene Weise an der Sanierung des Berggasthofes beteiligt waren, sprach Ursula Scriba in ihrer Funktion als Vorsitzende der Stiftung Kulturerbe Bayern. Sie ging auf die Historie des Ortes ein.
Die humorvolle Festrede hielt Markus Blume, Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst. Bei besserem Wetter, so der Minister, wäre er gern mit seinem Mountainbike heraufgekommen. In dem Projekt der Sanierung des Berggasthofes sah er viel Engagement und Herzblut und war froh, dass das Ensemble der St.-Servatius-Kirche mit dem Gasthof auch für kommende Generationen erhalten bleibt. Er wusste auch, wer sich beim Denkmalschutz engagiert, ist auf einer besonderen Reise unterwegs, die mal kürzer und mal länger dauern kann und meist Überraschungen birgt. Wie zum Beispiel hier am Streichen die Barockmalereien an der Ostfassade, die von den neuen Eigentümern bewahrt werden. Überhaupt sei die Konstellation, dass der Berggasthof vom Kulturerbe Bayern und der „Familienstiftung Yvonne und Thomas Wilde“ gekauft wurde, vergleichbar mit „einem Sechser im Lotto“. Hier könne man Geschichte atmen – Heimatschutz und Klimaschutz kämen hier in nahezu perfekter Weise zusammen. Klimagerechtes Bauen im Denkmal wurde stimmig, qualitätsvoll und nachhaltig umgesetzt, zum Beispiel mit Hightech-Solarpaneelen auf dem Dach und einer Pelletheizung. Er dankte allen Beteiligten für die viele Zeit, die sie investiert haben, und den vielen privaten Spendern und auch den Steuerzahlern, denn auch der Freistaat Bayern hat fast eine halbe Million Euro für die denkmalgerechte Sanierung in die Hand genommen.
Abschließend sah Markus Blume das Ziel der Wieder-eröffnung des Berggasthofes nahe im nächsten Jahr, wo dann alle gescheit feiern; Denn „wir sind alle Streichenfreunde“.
Wiedereröffnung
im kommenden Jahr
Dr. Sybille Kraft, die Vorsitzende Kulturerbe Bayern, verkündete noch einen Geburtstag, genau vor zehn Jahren wurde die Satzung für den Verein Kulturerbe Bayern unterschrieben und dazu passend konnte sie sich kein schöneres Geschenk als die Hebauffeier beim Berggasthof Streichen vorstellen. Aber die wäre nicht möglich gewesen, wenn sich nicht so viele Bürger engagiert hätten, sie nannte zwei Personen, die sich besonders eingesetzt haben, Tom Müllinger vom Verein „Streichenfreunde“ und Thomas Wilde von der Familienstiftung Wilde. Der meinte dazu: „Ohne das umsichtige Verhalten der Geschwister und Erben Hans Strohmayer und Anneliese Laute vom Streichenwirt beim Verkauf würden wir hier heute nicht stehen.“
Sybille Kraft wies darauf hin, dass die Familienstiftung Wilde vor einigen Wochen einen neuen Wanderweg zum Streichenensemble angelegt und im Ort bezahlbaren Wohnraum für zukünftige Mitarbeiter des Gasthofes geschaffen habe. Sie fragte nach der Motivation für so großes Engagement. Thomas Wilde empfand es als eine Herzensangelegenheit, „wir wollen mit unserem Einsatz etwas für Einheimische wie Touristen gleichermaßen bewegen und für die nachkommenden Generationen erhalten“. Auch Tom Müllinger (Streichenfreunde) wurde nach seiner Motivation gefragt. Ihm sei vor allem wichtig gewesen, dass der Berggasthof weiter für jeden Besucher zugänglich bleibt. Er dankte Kulturerbe Bayern und der Familienstiftung Wilde, dass sie den Gasthof erworben haben und damit die Möglichkeit für den Erhalt für alle Besucher geschaffen haben. Er bedankte sich auch für die Einbeziehung der Streichenfreunde in die Entscheidungen.
Sybille Kraft meinte lachend dazu, „so werden wir miteinander alt“ und unserem Wunsch nach Erhalt der Tradition (gemeint war Franz Strohmayer, der verstorbene legendäre Streichenwirt) und moderner Zukunft (ökologisches Bauen) gerecht.
Tradition
und Zukunft
Die beiden Pfarrer Martin Straßer (katholisch) und Rainer Maier (evangelisch) nahmen die Segnung des Hauses, der Besucher und der Baustelle vor. Martin Straßer sah das Wipfelbäumchen auf dem Dachfirst als Symbol für Stabilität, das Wurzeln schlägt und ein gutes Fundament bildet. Er wünschte, dass hier ein guter Geist herrscht und dass das Gebäude im Dienste der Gastfreundschaft steht.
Gemeinsam mit allen Anwesenden wurden die Fürbitten und ein Gebet gesprochen, bevor die beiden Pfarrer mit dem Weihwasser segneten.