Meteorkrater oder doch ein Bombentrichter?

von Redaktion

Rund 80 Jahre nach Kriegsende sind im Priener Kirchwald noch immer Bombentrichter sichtbar. Ein Geologe untersucht die Löcher nun mit Hilfe von Zeitzeugen und widerlegt damit eine umstrittene Theorie zu deren Entstehung.

Prien – Auf Spurensuche 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs war Geologe Dr. Robert Darga aus Rosenheim unterwegs. Den ehemaligen Leiter des Naturkundemuseums Siegsdorf interessierten die zum Kriegsende 1944 und 1945 entstandenen Löcher, die von Bombenabwürfen der amerikanischen Luftwaffe stammten. Fündig wurde Dr. Darga durch die Kenntnisse des Zeitzeugen Leopold Schlosser aus Prien-Stetten, der ihn zu einem gut erhaltenen Bombentrichter im Priener Kirchwald zwischen Stetten und Farnach in Riedering führte.

Der 91-jährige Leopold Schlosser kann sich noch gut an die Bombenabwürfe erinnern. Auf Priener und ehemaligem Wildenwarter Gemeindegebiet waren die Ortschaften Siggenham, Leiten, Siegharting, Stupfa und Prutdorf betroffen. „Zusammen mit meinem Nachbarn Georg war ich am Bienenhaus, als im nahen Stupfa eine Bombe niederging. Im Bienenhaus hörten wir die Gläser wackeln, zwei aus dem Wald laufende Rehe sehe ich heute noch, wenn ich die Augen schließe“, so Schlosser. Er führte den Geologen zu einem gut erhaltenen Bombentrichter nahe einem Wirtschaftsweg im Kirchwald. „Dieser Platz ist deswegen noch so gut sichtbar, weil er nicht wie jene auf den Feldern und Wiesen zugefüllt wurde.“ Damals, so Schlosser weiter, seien viele Leute, unter anderem gefangene Franzosen, im Einsatz gewesen, um die Bombenlöcher wieder zu füllen. In den Wäldern hingegen sei das kaum vorgenommen worden. Und so finden sich gerade im Prutdorfer Wald noch Bodenvertiefungen, die gut erkennbar im Digitalen Geländemodell des Bayernatlas zu finden sind.

Für Dr. Darga sind die von Schlosser gezeigten Stellen und seine Erinnerungen – unter anderem an das Aufsammeln der giftigen und überaus scharfen Bombensplitter, auch im Prutdorfer Wald – von großer Bedeutung. Derzeit werden die Chiemgauer Bodenvertiefungen nämlich nicht den Bombenabwürfen, sondern anderen Ursprüngen zugeordnet. Konkret geht es dabei um Veröffentlichungen des Chiemgau Impact Research Teams (CIRT), in denen von rund 200 Einschlagkratern eines kosmischen Körpers gesprochen wird. Dazu Dr. Darga: „Aber kein einziger dieser angeblichen Krater wird von der großen Mehrheit der beruflich mit Einschlägen befassten Wissenschaftler anerkannt. Nicht zuletzt, weil CIRT keine nachvollziehbaren Belege für eine Entstehung und keine Koordinaten zur Lokalisierung der kleineren „Krater“, die keinen bereits bestehenden Namen haben, vorlegt. Im Falle der Löcher im Prutdorfer Holz (Koordinaten: Lat. 47,83237° Lon. 12,30541°) ergibt sich aber eine Übereinstimmung mit einem Teilbild der Abbildung 4 in dem PDF 1.085, das als „Publikation“ in der 57th Lunar and Planetary Science Conference 2026 online gestellt wurde. Und in diesem PDF werden die Bombentrichter im Prutdorfer Wald als „typische Kraterkette im Chiemgau Einschlag-Streufeld“ bezeichnet. Im Rahmen seiner Recherchen konnte Dr. Darga weitere Erkenntnisse gewinnen, die die Ausführungen von Schlosser untermauern. Es sind dies die Erzählungen der verstorbenen Brüder Obermüller vom Hansl-Hof in Leiten, die ebenfalls einem Bombenabwurf direkt neben ihrem Haus am 20. Oktober 1944 galten. Auch Ernst Reiter (Jahrgang 1939) kann viel über Bombenabwürfe in seiner Heimatgemeinde Prien erzählen. Im Priener Rathaus sind die Stellen der Bombeneinschläge dokumentiert. „Mit all den gesammelten Fakten können wir durch Zeitzeugenberichte belegen, dass zumindest die Bodenlöcher im Prutdorfer Wald und im Priener Kirchwald durch Bomben am Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden sind. Die anlasslose CIRT-These, dass diese Löcher durch die Einschlagswirkung eines extraterrestrischen Körpers entstanden sind, ist somit widerlegt“, so Dr. Robert Darga. hö

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