Stein an der Traun – Vor langer Zeit schon ist die Sense durch den Rasenmäher verdrängt worden, den es mittlerweile sogar als Roboter gibt. Doch das alte Handwerk ist keinesfalls ausgestorben. Der Sensenmähkurs von Richard Bals ist gefragter denn je. Ein Besuch beim Gartenbauverein in Stein an der Traun zeigt, wie lebendig die Tradition ist.
Ziehen –
nicht schieben
„Ziehen, nicht schieben. Nicht so viel Vorschub, kleine Tippelschritte und immer schön durchziehen.“ Richard Bals achtet genau darauf, dass sich die Kursteilnehmer von Anfang an die richtige Technik angewöhnen. „Das wirkt vielleicht a bissal kleinlich, aber die richtige Technik ist entscheidend. Dann braucht es auch keine Kraft mehr.“ Der Waldhausener weiß, wovon er spricht, schließlich mäht er mit seiner Sense, seit er ein kleiner Bub ist. Seit über 20 Jahren gibt Bals sein Wissen über dieses Handwerk nun schon weiter.
Bals, der selbst fast drei Jahrzehnte Vorsitzender des Gartenbauvereins Waldhausen war, ist ein gefragter Mann. Quer durch Bayern ist er schon gekommen, um Kurse im Sensenmähen zu geben.
„Mein Gefühl ist, dass sich aktuell immer mehr dafür interessieren, vor allem junge Leut.“ Woran das liegt? Vielleicht ein Stück weit an den immer populärer werdenden Sensenmäh-Wettkämpfen, vermutet Bals.
Junge Leute waren auch dieses Mal wieder beim Sensenmähkurs in Stein an der Traun dabei. Dies ist eine mittlerweile jährliche Veranstaltung des Kreisverbandes Traunstein für Gartenkultur und Landespflege, wie die Kreisvorsitzende Birgit Furtner erzählt, und findet heuer auf dem Hof von Markus und Verena Ochs statt.
„Normalerweise hätten wir jetzt schon seit zwei Stunden Feierabend“, erklärte Richard Bals den acht Kursteilnehmern gleich zu Beginn. Um 9 Uhr sei es nämlich eigentlich schon viel zu heiß zum Mähen. Da es bei so einem Kurs aber vor allem ums Ausprobieren und Lernen gehe, sei das mit der Hitze machbar. Für kühle Getränke und genügend Schatten hatte Familie Ochs in weiser Voraussicht gesorgt. Nach einer kurzen Erklärung erklärte Bals die einzelnen Bestandteile des Werkzeugs, von der Spitze des Sensenblattes über den Bart am Ende bis zum Warb der Sense, dem langen Griffstab. Wichtig sei vor allem, dass die Sense richtig eingestellt ist, von der Größe her zum Körper passt und am allerwichtigsten: dass sie eine gute Schneide hat. Dafür muss regelmäßig gedengelt werden. Dann kann so eine Sense, wenn sie auch ansonsten gut gepflegt wird, locker mehrere Generationen überleben.
Beim Dengeln waren dann gleich die Kursteilnehmer selbst gefragt. Eine Sense hatten alle dabei, ob Erbstück, Flohmarkt-Schnäppchen oder ein Leihgerät vom Gartenbauverein. Zunächst wurde zur Übung jedoch erst einmal an einem Metallplättchen gedengelt. Bals zeigte, worauf es ankommt: „Ziel ist es, Material vom hinteren Teil des Sensenblattes nach vorne zu holen. Dann bekommen wir eine schöne Schneid hin.“ Dabei ist auch ein gleichmäßiger Rhythmus der Schläge mit dem Dengelhammer entscheidend. Eins, zwei, drei, vier und dann das Blatt ein Stück weit schieben, bis man an der Spitze der Sense angekommen ist – und zwar so viele Durchgänge, wie man für die Schärfe braucht. Wie man das feststellt, dafür zeigte Bals den Kursteilnehmern ebenfalls einen Trick mit seinem Fingernagel. Dann bekam jeder sein Metallplättchen zum Üben, und das große Dengeln ging los.
Bals und seine beiden Kompagnons gingen reihum und gaben Tipps. „Wichtig beim Dengeln ist auch, dass man sich ja keinen Stress macht“, erklärte Bals zwischendurch immer wieder. Geduld ist gefragt, nicht Tempo. Und da hat jeder seine eigene Geschwindigkeit: Während manche Kursteilnehmer noch am Metallplättchen übten, trauten sich andere schon an das Dengeln ihrer mitgebrachten Sense.
„Ich habe ehrlich gesagt gar keine Vorstellung davon gehabt, wie schwierig oder leicht Sensenmähen oder Dengeln ist“, erklärte Manuela aus Weißbrunn. Sie hatte sich angemeldet, um ihrem Mann zu Hause beim Mähen zu helfen. Manche Stellen rund um ihren Bauernhof seien einfach besser mit der Sense zu mähen. „Es ist einfach eine alte Tradition, die erhalten gehört“, erzählte Manuela.
Für Markus aus Peterskirchen ist das Sensenmähen nicht ganz neu. Er hat schon das eine oder andere Mal mit seiner Sense, einem Erbstück, gemäht. „Ich habe mir das mit Youtube-Tutorials selbst beigebracht. Aber so ein Kurs ist schon noch mal etwas anderes, weil man sich hier wirklich Zeit nimmt zum Üben“, fand er.
„Ich würde meinen Garten gerne so natürlich wie möglich lassen“, erklärte Michael aus Wald an der Alz seine Motivation. Der junge Brauer wusste, dass das Mähen mit der Sense dafür eine hervorragende Möglichkeit darstellt. „Der Rasenmäher haut, die Sense schneidet“, erklärte auch Richard Bals den Vorteil des Sensenmähens für die natürliche Wiese.
Nachdem alle Sensen sorgfältig gedengelt, wieder zusammengebaut und richtig eingestellt worden waren, ging es endlich hinaus auf das Feld. Richard Bals machte Schritt für Schritt vor, wie die richtige Technik beim Sensenmähen aussieht: „Fester Stand und dann von rechts nach links in einem Schwung durchziehen.“ Das Ergebnis war ein schöner, gleichmäßig gemähter Halbkreis. „Wichtig ist, dass das Sensenblatt dabei die ganze Zeit am Boden bleibt“, erklärte Bals weiter. In kleinen Tippelschritten bewegt man sich beim Mähen stetig vorwärts.
Ein guter Tänzer
ist ein guter Mäher
Ein Kursteilnehmer nach dem anderen schritt zur Mahd. Bals and seine Partner schauten allen sorgfältig dabei zu und erinnerten immer wieder an die richtige Haltung. „Ein guter Tänzer ist auch ein guter Sensenmäher“, merkte der Waldhausener Sensenexperte passend an. Zwischendurch zeigten die drei Kursleiter, wie man seine Sense wetzt, wenn die Schneide beim Mähen an Schärfe verliert. „Dengeln vorm Mähen, wetzen beim Mähen“, erklärten sie den aufmerksamen Teilnehmern. Am späten Nachmittag, nachdem ein beachtliches Stück Fläche abgemäht ist und alle Mäher ordentlich ins Schwitzen gekommen waren, war schließlich Feierabend. Richard Bals bedankte sich bei allen Beteiligten für das Interesse und die Freude am alten Brauch und wünschte ihnen das Wichtigste eines jeden Sensenmähers: „Immer a guade Schneid“.