Provokante Meistersinger

von Redaktion

Zum Bericht „Täter der Klamotte“ (Kulturteil):

Bei den diesjährigen Bayreuther „Meistersingern von Nürnberg“ hofft man im dritten Akt vergebens, der erwarteten Heiterkeit auf der Festwiese zu begegnen. Stattdessen zwängt sich der Chor in die von amerikanischer Militärpolizei bewachten Bänke der Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse. Eine das unbelastet fröhliche Werk entstellende, provokante Geschmacklosigkeit! Was verbindet die „Meistersinger“ mit den „Prozessen“ außer der Name „Nürnberg“? Nichts! Was hat das Publikum mit den die Meistersinger verfremdenden Ereignissen vor mehr als zwei Generationen zu tun? Nichts! Es gibt seit jener Zeit bei uns keine Sippenhaftung mehr. Ich selbst habe im Elternhaus die Folgen eines verweigerten Hitlergrußes leidvoll erfahren müssen. Was bleibt zu tun? Zum einen die Ausstrahlung der werkgetreuen, einmalig gelungenen Everding‘schen Inszenierung der „Meistersinger“ 1990 aus Anlass der Wiedervereinigung durch das Bayerische Fernsehen und zum anderen die Aufkündigung der Subventionen für die Bayreuther Festspiele durch den Freistaat in Höhe von 2,484 Millionen Euro (2017) wegen missbräuchlicher Verwendung und Beleidigung von dessen Staatsvolk.

Professor Dr. Egon Heil

Neubeuern

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