Zu den Berichten über das Abfahrtsverbot von der Autobahn an Wochenenden (Regionalseiten):
Es ist bei uns in Deutschland eher unüblich, vom Nachbarn (wie zum Beispiel Österreich) vernünftige Dinge zu kopieren. Die Höhe der Rente scheint dort besser zu sein, angeblich zahlen dort alle ein. Das Pickerl auf der Autobahn zahlen dort auch alle, Kosten dafür vielleicht ein Euro für Herstellung, Druck und Vertrieb, Wert bis zu 100 Euro, die der Straße zugeführt werden. So erzählt man sich. Wir brauchen eine hochkomplexe elektrische Überwachung – und zahlen sollen nur die Fremden. Auch das ist schon Geschichte.
Das Abfahrtsverbot wird in Österreich ebenfalls knallhart verhindert und gegebenenfalls sanktioniert. Unsere Behörden sind nicht in der Lage, Vergleichbares zu tun. Wir ersticken hier am Wochenende im Verkehr – minutenlange Wartezeiten, um überhaupt aus der Hofeinfahrt zu kommen. Die Lkw nutzen dann auch gern den Gehsteig, wenn es eng wird.
Nach telefonischer Rückfrage hat die Polizei dafür keine Kapazitäten mehr und muss sich um Unfälle kümmern. Wie wäre es mit der Bereitschaftspolizei, die, anstatt in den Kasernen zu versauern, gern etwas Nützliches tun würde. Sie braucht auch nicht in voller Montur anrücken. Oder nehmt Arbeitssuchende und Rentner zu Hilfe, die zusammen mit einem Polizisten oder einer entsprechenden Person des Ordnungsamtes unterstützen könnten. Ich könnte mir vorstellen, dass sich genügend Personen aus den betroffenen Regionen melden.
Norbert Obinger
Neubeuern
Mit großem Unmut beobachte ich, dass die Verkehrsregeln bei Autobahnstau nur als Empfehlung verstanden werden. Das illegale Abfahren, um den Stau auf Nebenstraßen zu umgehen, ist für betroffene Gemeinden nicht mehr tragbar. Ein solches Abfahrtsverbot darf nicht nur am Wochenende gelten – es muss grundsätzlich immer greifen, sobald der Verkehr auf der Autobahn stockt. Sobald es sich auf der Autobahn staut, kollabiert das Verkehrsnetz der umliegenden Dörfer. Als Anwohner steht man im eigenen Ort im Dauerstau. Ob der Weg zur Arbeit oder der Einkauf – jede Erledigung erfordert massig Zusatzzeit.
Besonders dramatisch ist der Sicherheitsaspekt: Unsere Straßen sind für diese Blechlawinen nicht ausgelegt. Für Fußgänger, Kinder und Radfahrer wird die Situation im Alltag massiv gefährdet, nur weil ungeduldige Urlauber ihre Wartezeit auf Kosten unserer Lebensqualität verkürzen wollen.
Das Hauptproblem ist die mangelnde Konsequenz. Da kaum kontrolliert wird, schalten Autofahrer blind das Navi ein. Um auch den internationalen Durchgangsverkehr zu erreichen, reichen deutsche Schilder nicht aus: Mehrsprachige Hinweise sind längst überfällig. Hier sind Politik und Polizei gefordert.
Wir brauchen an den bekannten Ausweichrouten konsequente Kontrollen und spürbare Bußgelder. Zudem sollten Radiosender in ihren Verkehrsmeldungen verstärkt darauf hinweisen, dass das Blockieren der Ortschaften verboten ist und sanktioniert wird. Es kann nicht sein, dass Anwohner den Preis für die Ungeduld der Durchreisenden zahlen müssen.
Daniela Klein
Rohrdorf