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Partylaune auf dem Parkett

von Redaktion

Spanien stürzt durch den Unabhängigkeitsdrang Kataloniens in die größte Verfassungskrise seit der Wiedererlangung der Demokratie Ende der 1970er-Jahre. Damit habe sich im Süden der Europeripherie ein „Pulverfass aufgestaut“, sagt Daniel Winkler, Volkswirt beim Bankhaus Metzler. Die Finanzmärkte berührt das aber nur am Rande. Zwar ist die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen gestiegen – und für neue Papiere musste Madrid einen Zins von fast 1,9 Prozent bieten nach knapp 1,4 bei der letzten Neuemission. Doch selbst wenn sich Katalonien abspalte, bleibe das für die Finanzmärkte nur ein „Hintergrundrauschen“, glaubt David Kohl, Chefvolkswirt vom Bankhaus Julius Bär. Schließlich sei es nicht Großbritannien.

So sehen es ganz offensichtlich auch die Börsianer. Den Deutschen Aktienindex Dax beeindruckte das Gezerre zwischen Madrid und Barcelona praktisch überhaupt nicht. Auch wenn Beobachter glauben, dass dies in der abgelaufenen Woche den Sprung über die Marke von 13 000 Punkten verhindert habe. Ein neues Rekordhoch gab es am Mittwoch trotzdem. Das Plus seit Jahresanfang beläuft sich auf fast 13 Prozent, der eigentlich gefürchtete September entpuppte sich als bislang bester Monat des Jahres.

Die Aktienmärkte seien auf gute politische Nachrichten gar nicht angewiesen, sagt Kohl. Tatsächlich läuft die Wirtschaft diesseits und jenseits des Atlantiks rund. Weil sich zugleich die Inflation nur maßvoll entwickelt, wird sich vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) Zeit lassen mit einer deutlichen Verschärfung der Geldpolitik. Auch wenn sie immer intensiver darüber nachdenkt, wie sie ihr Anleihekaufprogramm ab Anfang 2018 allmählich zurückfährt. Aber auch dann pumpt sie immer noch Milliarden in die Wirtschaft und die Finanzmärkte. Die Erhöhung des Leitzinses ist noch lange kein Thema.

Das verleiht dem Aktienmarkt Rückenwind. Das gilt auch für die ständig neuen Rekordstände in den USA. Dort steigt die Hoffnung, dass es mit der von Präsident Donald Trump angekündigten Steuerreform doch noch etwas wird. „Die Aktienmärkte sind in Partylaune“, sagt Weber-Banker Wiedau. Christian Kahler von der DZ Bank ist auch für 2018 zuversichtlich. Er hat für Mitte nächsten Jahres 13 500 Punkte fest im Blick, auch wenn die Zeit für überdurchschnittliche Gewinne sicherlich vorbei sei. Aber die Chancen bleiben – nach Ansicht von Kahler – gut. „Längerfristig halten wir 14 000 Punkte für ein erreichbares Ziel.“

Skeptiker sind in diesen Tagen rar. Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen gehört dazu. In den USA sei die Bewertung der Aktienmärkte schwindelerregend, warnt sie. Und fürchtet, dass es dort bald nach unten gehen könnte. Mit Konsequenzen auch für den Dax. Den sieht sie Ende des Jahres bei 12 000 Punkten. Und Mitte 2018 bei lediglich 12 300 Punkten. rolf obertreis

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