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Zins-Schnäppchen im Internet

von Redaktion

Wenn heute bei einem Zinsangebot eine zwei, eine drei oder eine höhere Zahl vor dem Komma steht, ahnen die meisten Anleger, dass es irgendwo einen Haken gibt. Doch der Frust über das Nullzinsszenario lässt Bedenken in den Hintergrund treten. Oft ist außerdem selbst für erfahrene Anleger schwer erkennbar, ob eine Offerte seriös ist und welches Risiko sich dahinter verbirgt.

Je höher die Rendite, desto mehr Risiko

In ihrer Januar-Ausgabe informiert die Zeitschrift „Finanztest“ über die besten Angebote für Tages- und Festgeld und klärt über riskante Zinsprodukte auf, etwa Anleihen mittelständischer Firmen und Zertifikate. Warnung der Finanztester: Je höher die in Aussicht gestellte Rendite, desto höher ist das Risiko. Für sichere Geldanlagen sind zurzeit je nach Laufzeit 0,5 bis nicht einmal zwei Prozent pro Jahr drin und kein Anbieter gewährt freiwillig höhere Zinsen als unbedingt nötig. Wichtigster Tipp: Anleger sollten nur kaufen, was sie verstehen, und möglichst riskante und sichere Anlagen trennen.

Sicherheiten bei Tages- und Festgeld

Echte Sicherheit bietet eine Zinsanlage nur, wenn bei einer Pleite des Schuldners eine leistungsfähige Einlagensicherung einspringt und den angelegten Betrag vollständig ersetzt. Die gilt aber nur für Einlagen bei Banken, etwa Tages- oder Festgeld. Vergleichsweise solide Zinsen bieten derzeit vor allem die Direktbanken, die ausschließlich über das Internet zu erreichen sind. So garantiert laut „Finanztest“ beispielsweise die Consorsbank ihren Neukunden im Rahmen von zeitlich befristeten Angeboten einen Tagesgeldzins für sechs Monate in Höhe von 1,00 Prozent, die ING-Diba bietet immerhin 0,75 Prozent für vier Monate.

Auch bei Festgeldangeboten liegen die Direktbanken vorn (siehe Tabelle). „Die über das Zinsportal Savedo erhältlichen Angebote der Bank CKV aus Belgien gehören bei vielen Laufzeiten zu den Tops“, schreiben die Tester. Attraktives Festgeld gebe es auch bei der Denizbank, der Eurocity Bank und bei der Yapi Kredi Bank.

Fehlende Sicherheit bei Firmenanleihen

Für die Anleihen mittelständischer Unternehmen oder von Alternative-Energie-Firmen gibt es kein Sicherheitsnetz. Wenn die Firma pleitegeht, ist das Geld gefährdet, das ihr Anleger geliehen haben. Mitunter bekommen sie nur einen Teil des Einsatzes zurück, er kann auch ganz weg sein. Die guten Zinsen, die kleine Firmen gewähren, sind ein Ausgleich für dieses Risiko, das keinesfalls nur theoretisch existiert. In den vergangenen Jahren gab es eine Reihe spektakulärer Insolvenzen, von der Windanlagenfirma Prokon bis zur Landwirtschaftsfirma KTG Agrar.

Sympathie reicht nicht aus

Anleger sollten sich beim Kauf von Zinsprodukten nicht von Emotionen leiten lassen. Es reicht nicht, ein Unternehmen und sein Geschäftsmodell sympathisch zu finden, selbst eigene gute Erfahrungen mit dessen Produkten sind keine Basis für eine sachgerechte Entscheidung. Ob hinter den Kulissen solide gewirtschaftet wird, können Anleger kaum in Erfahrung bringen. Das Ausfallrisiko von Anleihen und Zinsangeboten kleinerer Unternehmen ist generell so hoch, dass es sich kaum kompensieren lässt. Anleger müssten schon viele solcher Anleihen mischen. Dann könnten die hohen Zinsrenditen aller Produkte einen einzelnen Ausfall vielleicht wettmachen. Nach diesem Prinzip funktionieren Fonds mit hochverzinsten Anleihen, sogenannte High-Yield-Rentenfonds.

Nur kaufen, was man versteht

Als Alternative zu Festgeld werden oft Zertifikate angeboten. Sie werden von Banken herausgegeben. Anleger tragen also schon mal deren Pleiterisiko. Zertifikate sind als Schuldverschreibungen mit Anleihen vergleichbar und fallen nicht unter die gesetzliche Einlagensicherung. Dazu kommen meist noch andere Risiken. Das Wohl und Wehe der beliebten und viel verkauften Expresszertifikate und Aktienanleihen hängt von der Börsenentwicklung ab. Solange die Aktienmärkte steigen oder zumindest nicht stark fallen, ist alles in Ordnung. Sollte es aber zu einem Börsencrash kommen, drohen Anlegern hohe Kursverluste. Die überdurchschnittliche Verzinsung wäre allenfalls ein kleines Trostpflaster.

Bei Zertifikaten ist Vorwissen nötig

Ein weiterer Nachteil: Viele Zertifikate sind ohne Vorwissen kaum zu verstehen. Anleger müssen sich mit Dingen wie „Referenz- und Basispreis“ oder „Schutzbarrieren“ befassen, um die Produkte beurteilen zu können. Der Unterschied zu simplem Tages- und Festgeld könnte kaum größer sein. „Finanztest“ hält es für ungünstig, verschiedene Anlageformen in einem Produkt zu vermengen. Besser ist es, sichere und riskante Anlagen strikt zu trennen. Dann können Anleger ein Depot zusammenstellen, das genau ihrem Risikobedürfnis entspricht. Wer insgesamt mehr herausholen möchte, lässt Hochzinsanleihen und Zertifikate links liegen und kombiniert stattdessen seine sicheren Zinsanlagen mit weltweit streuenden, börsengehandelten Aktienindexfonds, sogenannten ETF. Mit deren Risiken können Anleger besser umgehen, da es Erfahrungen aus der Vergangenheit gibt.

Ausführliche Tabellen

gibt es kostenpflichtig unter www.test.de/zinsen und in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest.

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