Test

Gutes Olivenöl erst ab 24 Euro

von Redaktion

Von Tobias Hanraths

Schlechter Geschmack, Reste von Mineralöl und Etikettenschwindel: Beim Kauf von Olivenöl können Verbraucher schlechte Erfahrung machen, wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt (Ausgabe 2/2018). 27 Olivenöle haben die Experten unter die Lupe genommen – vom günstigen Öl aus dem Discounter bis zum teuren Premiumprodukt, alle angeblich aus der höchsten Güteklasse „nativ extra“.

-Was ist das Ergebnis?

Es ist vor allem eine Enttäuschung für Sparfüchse: Die drei mit „gut“ bewerteten Olivenöle, die noch auf dem Markt zu bekommen sind, kosten mindestens 24 Euro pro Liter. Für diesen Preis gibt es ein Olivenöl von Soler Romero („Natives Bio-Olivenöl extra“). Teurer, aber auch noch ein kleines bisschen besser sind zwei Öle von Castillo de Canena („Family Reserve Picual Olives Extra virgin Olive Oil“/36 Euro) und Farchioni („DOP Chianti Classico Olio extra Verbgine di Oliva“/26 Euro). Der Testsieger von Aldi Süd („Cucina Natives Olivenöl extra“) kostet zwar nur zehn Euro pro Liter – Aldi-Kunden haben trotzdem nichts davon: Der Discounter hatte das Öl im Sommer bloß als Aktionsware angeboten.

-Wer Qualität will, muss also zahlen?

Ja, in Maßen. Denn hinter den besten und teuren Ölen folgen mehrere Produkte vom Discounter und aus dem Super- oder Drogeriemarkt zu Preisen ab 5,35 Euro pro Liter. Sie schaffen zwar nur die Note „befriedigend“ – zum Braten reicht das aber, urteilen die „test“-Experten. Feinere Geschmacksnoten gehen dabei ohnehin verloren. Für ein Pesto oder ein Salatdressing dagegen lohnt es sich aber, etwas mehr auszugeben.

Allerdings ist der Preis kein Qualitätsindikator: Auch unter den mit „ausreichend“ bewerteten Kandidaten sind Produkte für 26 Euro pro Liter zu finden. Und auch eins der beiden „mangelhaften“ Öle kostet knapp 19 Euro.

-Welche Öle schaffen ein „befriedigend“?

Die besten „befriedigend“ getesteten Öle kommen von Edeka („Gut & Günstig Natives Olivenöl extra“/5,35 Euro) Aldi Nord („Casa Morando Olivenöl nativ extra“/5,35 Euro) und Aldi Süd („Cantinelle Natives Olivenöl extra“/5,35 Euro). Es folgen: dm-Bio („Natives Olivenöl extra“/15,90 Euro), Edeka („Bio Natives Olivenöl extra“/10,80 Euro), Aldi Nord (GutBio Olivenöl nativ extra/6,65 Euro), Lidl („Primadonna Natives Olivenöl extra“/5,35 Euro), Alnatura („Natives Olivenöl extra“/8,00 Euro), Aldi Süd („Bio Natives Olivenöl extra“/6,65 Euro), Rossmann („EnerBio Olivenöl Nativ extra“/8,00 Euro), Sasso („Gold Natives Olivenöl extra“/10,60 Euro) und Lidl („Primadonna Bio Olivenöl nativ extra“/6,70 Euro).

-Wie sieht es mit den Ölen aus, die noch schlechter bewertet wurden?

Zwar sind die „ausreichenden“ Öle in Sachen Geschmack und Geruch oft „befriedigend“, sie verschlechtern sich die Note aber mit Kennzeichnungsmängeln oder Schadstoffen – zum Beispiel mit Mineralöl-Kohlenwasserstoffen. Diese gelangen aus Maschinenöl oder Abgasen ins Olivenöl, was sich selbst bei Bio-Produkten kaum verhindern lässt. Drei von den „ausreichend“ getesteten Ölen waren nach Angaben der Tester übermäßig stark belastet: Terra Creta („42 Premium Blend Natives Olivenöl extra“/20,00 Euro), iSolai di San Giorgio („Olio extra Vergine di Oliva“/26,00 Euro) und Bertolli („Gentile Olio extra vergine di Oliva“/9,50 Euro).

-Welche Öle waren ebenfalls nur „ausreichend“?

Öle von Rapunzel („fruchtig Olivenöl nativ extra“ 13,30 Euro), L’ Extra („Natives Olivenöl“/13,30 Euro), Costa d’Oro („Il Grezzo Bio Extra virgin Olive Oil“/18,00 Euro), Minato („Natives Olivenöl Extra“/20,00 Euro), Bertolli („Originale Olio extra vergine di Oliva“/9,90 Euro) und Rewe („ja! Natives Olivenöl extra“/5,35 Euro).

-Welche Öle sind im Test durchgefallen?

Die „mangelhaften“ Öle wurden für ihren stichigen oder ranzigen Geschmack bestraft: Durchgefallen ist ein Öl von Gaea („Kritsa Griechisches natives Olivenöl extra“/18,90 Euro) und von Rewe „Bio P.D.O. Natives Olivenöl extra“/10,00 Euro).

-Was bedeutet überhaupt „nativ extra“?

Mit der Aufschrift „nativ extra“ oder „extra vergine“ verspricht der Hersteller zweierlei: Erstens eine ausschließlich mechanische Herstellung ohne Wärmezufuhr. Und zweitens fehlerfreien Geruch und Geschmack mit einer mindestens leichten Fruchtnote. In Deutschland gibt es fast nur Olivenöle dieser Güteklasse – zumindest die mit „mangelhaft“ bewerteten Produkte tragen diesen Namen aber zu Unrecht, so die Stiftung Warentest.

-Was steckt hinter den Kennzeichnungsmängeln?

Für die Etiketten einer Olivenöl-Flasche gibt es strenge Regeln: Vorne drauf muss zum Beispiel die Güteklasse und bei nicht gemischten Ölen gut sichtbar die Herkunft stehen. Viele Hersteller verstecken diese Angaben aber auf der Rückseite. Auch bei der Beschreibung des Geschmacks sind nur bestimmte Wörter erlaubt – „fruchtig“ oder „mild“ etwa. Stattdessen fanden die Tester auf vielen Flaschen werbliche Angaben, die teils auch nicht stimmen. Immerhin: Bei allen Ölen mit konkreter Herkunftsangabe gab es keine Anzeichen für Schummelei.

-Sind die Ergebnisse besser oder schlechter geworden?

Eher besser. Schon Anfang 2017 hatte die Stiftung Olivenöle getestet – damals gab es gar kein „gut“ und für immerhin zehn Öle ein „mangelhaft“. 2016 war das Ergebnis noch negativer. In beiden Fällen war das Kandidatenfeld aber etwas anders zusammengestellt, insofern sind die Ergebnisse schwer vergleichbar.

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